Deutscher Gewerkschaftsbund

17.09.2015
Ausbildungsreport 2015: Ausbildung besser machen

DGB-Jugend fordert Einhaltung von Ausbildungsstandards

Fast 40 Prozent der Auszubildenden leisten regelmäßig Überstunden, nur zwei Drittel haben überhaupt einen betrieblichen Ausbildungsplan und ausbildungsfremde Tätigkeiten sind für viele ebenso alltäglich wie Gesetzesverstöße. Zu diesem Ergebnis kommt der zehnte Ausbildungsreport der DGB-Jugend pünktlich zum Start ins neue Ausbildungsjahr, für den bundesweit über 18.600 Auszubildende befragt wurden.

Zudem offenbart die Studie eklatante Mängel dort, wo die meisten Lehrstellen unbesetzt bleiben: Das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie Teile des Handwerks und des Einzelhandels schneiden schlecht ab. „Die Klagen von Arbeitgeberseite über unbesetzte Ausbildungsstellen sind wieder einmal hausgemacht.“, sagt Hannes Scherf, DGB-Jugendbildungsreferent in Bremen. „Ganz offensichtlich werden Azubis in manchen Betrieben als billige Arbeitskräfte missbraucht.“

Laut der Befragung ist eine Betreuung durch das Ausbildungspersonal für 14,2 Prozent der Auszubildenden nur selten oder nie gegeben. Neben solchen Missständen kommt es aber auch zu erheblichen Verstößen gegen geltende Gesetze und Arbeitsschutzrichtlinien: So erhalten 15,4 Prozent der Auszubildenden für Überstunden weder einen Freizeitausgleich noch eine Bezahlung und 12,6 Prozent der unter 18jährigen müssen mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten.

Zwar sind nach wie vor 71,5 Prozent der Auszubildenden mit ihrer Ausbildung zufrieden, das darf aber nicht über die vielfach bestehenden Probleme hinwegtäuschen. So lässt auch die Qualität der Ausbildung in den Berufsschulen zu wünschen übrig. Die DGB-Jugend fordert daher eine bessere Ausstattung sowie qualifiziertes Personal für die berufsbildenden Schulen.

Mit bundesweit 522.000 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im vergangenen Jahr wurde außerdem ein weiteres Rekordtief erreicht. Dem gegenüber stehen 250.000 Ausbildungssuchende in Übergangsmaßnahmen ohne Berufsabschluss. In den Augen der DGB-Jugend wird hier großes Potential verschenkt: Anstatt dem viel beschworenen Fachkräftemangel entgegen zu wirken, entziehen sich viele Unternehmen ihrer Verantwortung, diese jungen Menschen zu qualifizieren.

Ein besonderes Augenmerk legt der Ausbildungsreport dieses Jahr auf rassistische Diskriminierung bei der Ausbildungsplatzsuche: Junge Menschen mit Migrationsgeschichte haben größere Schwierigkeiten einen Ausbildungsplatz zu finden und landen oft nicht in ihrem Wunschberuf. Sie sind überproportional in Berufen zu finden, die in der Befragung besonders schlecht abschneiden. „Oft reicht ein fremd klingender Nachname, um im Bewerbungsverfahren benachteiligt zu werden.“, kritisiert Hannes Scherf. Im Ausbildungsverhältnis angekommen, wird mehr als jede/r Fünfte aufgrund der Herkunft oder Staatsangehörigkeit diskriminiert. Die DGB-Jugend fordert daher eine umfassende und individuelle Berufsorientierung, anonymisierte Bewerbungsverfahren sowie sensible AusbilderInnen, die Diskriminierung erkennen, thematisieren und entsprechend handeln.

Um mit den Auszubildenden über Probleme bei der Ausbildung zu sprechen und sie über ihre Rechte und Pflichten aufzuklären, startet die DGB-Jugend in den nächsten Wochen ihre Berufsschultour. Außerdem empfiehlt der DGB, sich bei Verstößen direkt bei den Einzelgewerkschaften oder dem DGB zu melden.

An der repräsentativen Befragung der Gewerkschaftsjugend haben sich bundesweit 18.627 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen beteiligt. Es wurden Auszubildende aus betrieblicher und dualer Ausbildung befragt, aus allen Ausbildungsjahren und aus Betrieben unterschiedlichster Größe. Der Ausbildungsreport wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) erstellt.

Pressekontakt für weitere Informationen und Fragen:

Hannes Scherf

Jugendbildungsreferent DGB Bremen-Elbe-Weser

Tel.: 0421 / 3 35 76 – 21, Mobil: 0151 / 72 70 32 17

Email: hannes.scherf@dgb.de


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