Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 16 - 02.08.2016

Perspektiven des Einzelhandels im Land Bremen

Mit über 20.000 Beschäftigten – davon 14.500 weiblichen Beschäftigten – und 8.000 Minijobs ist der Einzelhandel eine der größten Branchen im Land Bremen. Seit 2007 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze um 16 Prozent gestiegen. Trotzdem ist die Zahl der Vollzeitstellen im Einzelhandel gerade bei Frauen rückläufig. Fast drei Viertel von ihnen haben nur einen Mini-Job bzw. eine Teilzeitstelle. Aufgrund der niedrigen Vergütung in dieser Branche können nur wenige von ihnen von diesem Einkommen leben.

„Diese negative Entwicklung kommt nicht von ungefähr“, sagt Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. „Durch die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten, die Ausweitung von Verkaufsflächen und den Online-Handel steigt der Wettbewerbsdruck und wird auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen.“

Durch die Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes hat sich der Druck auf die Personalkosten deutlich verstärkt. Einzelhändler haben darauf mit einer Erhöhung von Teilzeitbeschäftigung, Minijobs und Leiharbeit reagiert. Auch die Ausweitung von Verkaufsflächen führt nachweislich nicht zu mehr Kaufkraft. Insbesondere wenn Angebote im selben Segment geschaffen werden, erhöht sich lediglich der Wettbewerb und damit auch der Druck auf die Arbeitsbedingungen.

Der Rückgang an Vollzeitstellen ist problematisch, weil die Löhne im Einzelhandel im Vergleich zu anderen Branchen weit unter dem Durchschnitt liegen. „Die zunehmende Tarifflucht forciert diese Entwicklung sogar noch“, warnt Annette Düring, Vorsitzende des DGB Bremen. „Sie befördert Dumpinglohnprozesse, welche die Gefahr von Altersarmut weiter erhöhen.“

Nach Aussage von Liane Hagner, Betriebsrätin aus Bremerhaven bei Netto, geht es auch beim Discounter um die Reduzierung von Personalkosten. „Durch die verlängerten Öffnungszeiten hat sich die Zusammensetzung des Personals geändert. Discounter greifen mehr auf geringfügig beschäftigte Arbeitskräfte zurück. Vollzeitbeschäftige werden immer weniger und Teilzeitbeschäftigte überwiegend nicht mehr als 20 Stunden pro Woche eingesetzt“, so Hagner.

Die SB-Warenhauskette Real hat auf den erhöhten Wettbewerbsdruck und Mehraufwand in den Bereichen Personal, Logistik, Sicherheit und Energie mit dem Ausstieg aus der Tarifbindung reagiert. „Aufgrund der geringeren Verdienste sowie der ungünstigen Arbeitszeiten ist es mittlerweile schwierig, Beschäftigte für den Einzelhandel zu gewinnen“, gibt Susanne Meister, Betriebsratsvorsitzende bei Real in Bremen zu bedenken. „Um den sich abzeichnenden Fachkräftebedarf decken zu können ist es wichtig, die Arbeitsbedingungen zu verbessern“, so Meister.

Diesbezüglich fordern Arbeitnehmerkammer und DGB:

  • Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklären: Tarifflucht beenden und gleiche Rahmenbedingungen für alle Beschäftigten schaffen.

  • „Grenzenlose“ Öffnungszeiten eindämmen: Ladenschluss auf 22 Uhr beschränken.

  • Ansiedlungspolitik bedarfsgerecht gestalten: Flächenerweiterungen müssen mit Angebotserweiterungen und Mehrwerten einhergehen.

  • Branchendialog Einzelhandel nach klaren Prämissen durchführen: Politik muss im Vorfeld Ziele formulieren und die Beteiligung des Arbeits- und Wirtschaftsressorts sicherstellen.

    Daten, Fakten und Grafiken zum Einzelhandel im Land Bremen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des KammerKompakt auf der Website der Arbeitnehmmerkammer Bremen:
    www.arbeitnehmerkammer.de/publikationen/kammer-kompakt.html?fileId=6216

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Marion Salot von der Arbeitnehmerkammer Bremen gern zur Verfügung (0421/36301-984, salot@arbeitnehmerkammer.de).


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