Deutscher Gewerkschaftsbund

17.09.2012

Viele Vollzeitbeschäftigte im Landkreis Rotenburg

Jede/r zweite Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job verdiente 2010 im Landkreis Rotenburg weniger als 2.416 € brutto im Monat. Einmalige Leistungen wie Überstundenzuschläge oder Weihnachtsgeld sind dabei berücksichtigt und Auszubildende nicht mitgezählt. Erstmals hat der DGB differenzierte Daten zu den Verdienstunterschieden im Landkreis Rotenburg vorgelegt, die auf einer Sonderauswertung der Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung beruhen. Danach verdienten Vollzeitbeschäftigte im Landkreis Rotenburg durchschnittlich 203 € im Monat weniger als im niedersächsischen Landesdurchschnitt und noch deutlich weniger als in den alten Bundesländern (-419 € Bruttomonatslohn).

Aber auch im Landkreis Rotenburg zeigen sich große Unterschiede zwischen den Beschäftigtengruppen:

  • Männer erzielten meist ein deutlich höheres Bruttomonatsentgelt als Frauen. Im Mittel verdienten sie 2.589 € brutto im Monat gegenüber nur 1.928 € bei den Frauen. Dieser große Verdienstunterschied von 661 € monatlich erklärt sich wesentlich durch die geschlechtsspezifischen Tätigkeitsschwerpunkte; so arbeiten Frauen häufig im Dienstleistungssektor mit einem relativ niedrigeren Entlohnungsniveau gegenüber dem Produzierenden Gewerbe, wo Männer häufiger tätig sind. Aber auch die Lohndiskriminierung von Frauen hat nach gewerkschaftlicher Einschätzung einen Einfluss auf dieses Lohngefälle.
  • Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung verdienten im Landkreis Rotenburg durchschnittlich nur 2.098 € brutto im Monat und damit deutlich weniger als in anderen Landesteilen Niedersachsens oder den alten Bundesländern insgesamt.
  • Das mittlere Bruttomonatsentgelt der Vollzeitbeschäftigten mit Fachhoch- oder Hochschulabschluss liegt im Landkreis Rotenburg gleichfalls deutlich niedriger als in den westdeutschen Ländern insgesamt. Doch auch in im Landkreis Rotenburg ist der Abstand zwischen gering- und höherverdienenden Beschäftigten beachtlich. Jene mit Hochschulabschluss kommen im Schnitt auf einen gut doppelt so hohen Bruttoverdienst wie jene Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

Große Verdienstabstände zeigen sich folglich nicht nur bei Teilzeitarbeit, sondern auch bei Vollzeitbeschäftigung. Die Angst vieler Beschäftigter, dass sie mit ihrer Rente im Alter nicht auskommen, ist nicht unbegründet. Insbesondere Frauen sowie Arbeiter ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind oftmals von Altersarmut bedroht. Altersarmut sei zwar noch kein größeres Massenproblem, doch in Zukunft droht ihre Zahl deutlich anzusteigen. Durch die geplante Senkung des Rentenniveaus auf 43 % müssen Beschäftigte mit einem Einkommen von 2.500 € im Monat 35 Jahre in die Rentenkasse einzahlen, um mehr als Grundsicherung im

Alter zu bekommen. Bei einem Monatseinkommen von 2.200 € droht bei Renteneintritt immer noch Sozialhilfebedürftigkeit, selbst wenn man 40 Jahre gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hat.

2010 verdiente aber mehr als die Hälfte aller vollzeitbeschäftigten Frauen im Landkreis Rotenburg wie auch in Niedersachsen weniger als 2.200 € brutto; dies gilt ebenso für gut 50 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten ohne Berufsabschluss. Die Folgen der Absenkung des Rentenniveaus werden in der Zukunft für viele Beschäftigte in der Region gravierend sein.

Median (mittleres) monatliches Bruttoarbeitsentgelt sozialversicherter Vollzeitbeschäftigter (ohne Auszubildende) im Landkreis Rotenburg 2010 in €

 
Landkreis Rotenburg
Niedersachsen
alte Bundesländer
neue Bundesländer
insgesamt
2.416
2.619
2.835
2.068
davon        
Männer
2.589
2.847
3.085
2.094
Frauen
1.928
2.110
2.379
2.018
Alter 25 bis 50 Jahre
2.438
2.622
2.870
2.069
ohne Berufsausbildung
2.048
2.193
2.377
1.706
mit Berufsausbildung
2.516
2.738
2.902
2.053
mit Fachhoch-/Hochschulabschluss
4.121
4.567
4.933
3.803


Quelle: eigene Berechnungen nach: BA-Entgeltstatistik


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