Deutscher Gewerkschaftsbund

04.08.2014
Ausstellung in der Unteren Rathaushalle, 01.-23.09.2014

Dritte Welt im zweiten Weltkrieg.

Über ein vergessenes Kapitel der Geschichte

Über 20 Millionen Soldaten aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus bzw. vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Viele von ihnen wurden in den damaligen Kolonien zwangsrekrutiert. Allerdings haben nur die wenigsten nach dem Krieg Pensionen oder Opferrenten erhalten. Gleichzeitig dienten weite Teile der kolonialisierten Welt als Schlachtfelder sowie Bezugsorte für kriegswichtige Rohstoffe und Nahrungsmittel. Entsprechend hoch waren die Opferzahlen: Allein China hatte mehr Opfer zu beklagen als Deutschland, Italien und Japan zusammen, und auf den Philippinen mussten während der japanischen Besatzungszeit über 1 Millionen Menschen ihr Leben lassen, davon 100.000 bei Luftangriffen auf Manila. Hinzu kamen Hunderttausende Frauen, die vergewaltigt oder als Zwangsprostituierte verschleppt wurden – unter anderem 200.000 in japanische Militärbordelle.

Solche und viele weitere Fakten werden in der europäischen Öffentlichkeit bis heute weitgehend ausgeblendet. Die Ausstellung „Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ verändert dies. Sie macht Schluss mit einer eurozentristischen Geschichtsschreibung, in der die Opfer der damaligen Dritten Welt nichts zählen. Im Zentrum steht stattdessen eine globale Perspektive, die nicht nur hierzulande unbekannte Zusammenhänge aufzeigt, sondern auch Chronologien und Gewichte verschiebt: Beispielsweise war der Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 lediglich der Tag, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa begonnen hat. Demgegenüber hatte in Afrika der Zweite Weltkrieg bereits 1935 mit dem Angriff Italiens auf das bis dahin unabhängige Äthiopien seinen Anfang genommen – mit 150.000 toten Zivilist_innen allein in den ersten sieben Kriegsmonaten. Kurzum: Die Ausstellung klärt auf. Sie macht unter anderem verständlich, weshalb der berühmte (in der Ausstellung ebenfalls zitierte) Historiker Joseph Ki-Zerbo aus Burkina Faso den Zweiten Weltkrieg als „größten historischen Einschnitt für Afrika seit dem Sklavenhandel und der Zerstückelung des afrikanischen Kontinents bei der Berliner Kongo-Konferenz im Jahre 1884/1885“ bezeichnet. 

Arbeit und Leben organisiert Gruppenführungen (auch für Schulklassen) durch die Ausstellung. Termine können ab sofort vereinbart werden. Interessent_innen (auch für die Vereinbarung von Führungen) wenden sich bitte an Olaf Bernau: o.bernau@aulbremen.de oder Mobil: 015152527776.

 

Zeit und Ort: 1. bis 23. September 2014 in der Unteren Rathaushalle (Markplatz Bremen), Öffnungszeiten: Täglich 11 bis 19 Uhr, Eintritt frei. 

Weitere Informationen auch zum Begleitprogramm hängen im Flyer zur Reihe an.


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Pressemeldung
Diskussion: Gewerkschaften für Frieden, Abrüstung und Rüstungskonversion
31.08.2018 - 18h. Anlässlich des Antikriegstags laden DGB, das Bremer Friedensforum und Arbeit und Leben Bremen ins Gewerkschaftshaus Bremen ein, um über Rüstungskonversion aus gewerkschaftspolitischer Perspektive zu diskutieren. Referent ist Wolfgang Lemb, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der IG Metall. Zur Pressemeldung
Termin
The last Jolly Boy
Am Mittwoch, 13. November 2018, um 19.30 Uhr, lädt der DGB Kreisverband Verden zu einer Kinovorführung ins Cine City in Verden ein. Gezeigt wird der Film "Der letzte Jolly Boy" weiterlesen …
Link
Lesung: Das kommunistische Manifest
So., 06.05. in der Bremer Shakespeare Company - Eintritt frei! Lesung zu Ehren des 200. Geburtstages des Politökonomen, Gesellschaftswissenschaftlers und Vertreters der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung. Mitveranstalter: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) Bremen-Elbe-Weser zur Webseite …