Deutscher Gewerkschaftsbund

01.09.2014

Ausstellungseröffnung: Dritte Welt im zweiten Weltkrieg

Die Ausstellung bricht mit der eurozentristischen Sichtweise auf den Zweiten Weltkrieg, wonach dieser vor allem ein europäisches Ereignis gewesen sei (unter punktueller Einbeziehung von Japan und den USA). Sie zeigt stattdessen, dass in den Armeen der Alliierten Millionen Soldaten aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien an der Befreiung von den faschistischen Achsenmächten Deutschland, Italien und Japan beteiligt waren. Zudem wird intensiv darauf eingegangen, dass weite Teile der damaligen kolonialisierten Welt als Schlachtfelder sowie Bezugsorte für kriegswichtige Rohstoffe und Nahrungsmittel dienten – mit zum Teil negativen Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Während der Eröffnungsveranstaltung wird zunächst eine Vertreterin der Bildungsbehörde ein Grußwort sprechen. Danach werden Appolinaire Apetor-Koffi und Alioune Niang, die in Togo bzw. Senegal aufgewachsen sind, in kurzen Beiträgen darüber berichten, auf welche Weise sie erstmalig mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Berührung gekommen sind. Vor diesem Hintergrund wird schließlich der Ausstellungskurator Karl Rössel (Köln) einen Vortrag über die Geschichte der Ausstellung halten, auch hinsichtlich der von ihr initiierten Debatten.

Zeit: Dienstag, den 2. September 2014 um 19 Uhr

Ort: Unteren Rathaushalle

 

Die Ausstellung wurde von dem in Köln ansässigen Verein Recherche International e.V. konzipiert und war seit ihrer Eröffnung 2009 in mehr als 40 deutschen und schweizerischen Städten zu sehen – ursprüngliche Grundlage war das 2005 vom Rheinischen JournalistInnenbüro veröffentlichte Buch „Unsere Opfer zählen nicht – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“.

Wer an Führungen interessiert ist (auch für Schulklassen) kann sich gerne Olaf Bernau von der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben e.V. wenden: o.bernau@aulbremen.de
oder Mobil: 015152527776.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung:

 

Über 20 Millionen Soldaten aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus bzw. vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Viele von ihnen wurden in den damaligen Kolonien zwangsrekrutiert. Allerdings haben nur die wenigsten nach dem Krieg Pensionen oder Opferrenten erhalten. Gleichzeitig dienten weite Teile der kolonialisierten Welt als Schlachtfelder sowie Bezugsorte für kriegswichtige Rohstoffe und Nahrungsmittel. Entsprechend hoch waren die Opferzahlen: Allein China hatte mehr Opfer zu beklagen als Deutschland, Italien und Japan zusammen, und auf den Philippinen mussten während der japanischen Besatzungszeit über 1 Millionen Menschen ihr Leben lassen, davon 100.000 bei Luftangriffen auf Manila. Hinzu kamen Hunderttausende Frauen, die vergewaltigt oder als Zwangsprostituierte verschleppt wurden – unter anderem 200.000 in japanische Militärbordelle.

Solche und viele weitere Fakten werden in der europäischen Öffentlichkeit bis heute weitgehend ausgeblendet. Die Ausstellung „Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ verändert dies. Sie macht Schluss mit einer eurozentristischen Geschichtsschreibung, in der die Opfer der damaligen Dritten Welt nichts zählen. Im Zentrum steht stattdessen eine globale Perspektive, die nicht nur hierzulande unbekannte Zusammenhänge aufzeigt, sondern auch Chronologien und Gewichte verschiebt: Beispielsweise war der Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 lediglich der Tag, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa begonnen hat. Demgegenüber hatte in Afrika der Zweite Weltkrieg bereits 1935 mit dem Angriff Italiens auf das bis dahin unabhängige Äthiopien seinen Anfang genommen – mit 150.000 toten Zivilist_innen allein in den ersten sieben Kriegsmonaten. Kurzum: Die Ausstellung klärt auf. Sie macht unter anderem verständlich, weshalb der berühmte (in der Ausstellung ebenfalls zitierte) Historiker Joseph Ki-Zerbo aus Burkina Faso den Zweiten Weltkrieg als „größten historischen Einschnitt für Afrika seit dem Sklavenhandel und der Zerstückelung des afrikanischen Kontinents bei der Berliner Kongo-Konferenz im Jahre 1884/1885“ bezeichnet. 

Arbeit und Leben organisiert Gruppenführungen (auch für Schulklassen) durch die Ausstellung. Termine können ab sofort vereinbart werden. Interessent_innen (auch für die Vereinbarung von Führungen) wenden sich bitte an Olaf Bernau: o.bernau@aulbremen.de oder Mobil: 015152527776.

 

Zeit und Ort: 1. bis 23. September 2014 in der Unteren Rathaushalle (Markplatz Bremen), Öffnungszeiten: Täglich 11 bis 19 Uhr, Eintritt frei. 

Weitere Informationen auch zum Begleitprogramm hängen im Flyer zur Reihe an.


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