Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 24 - 06.11.2023

Teure Tarifflucht: Land Bremen entgehen Milliarden Euro pro Jahr

DGB kündigt Kampagne für mehr Tarifbindung an

Alt-Text

DGB/Gunay Aliyeva via canva.com

Genießen Beschäftigte nicht den Schutz eines Tarifvertrages, bedeutet das nicht nur für sie persönlich weniger Geld im Portemonnaie. Letztlich kommt die Tarifflucht auch die Allgemeinheit teuer zu stehen. Das belegen neue Berechnungen des DGB auf Datenbasis des Statistischen Bundesamtes. Der Schaden, der allein durch Tarifflucht und Lohndumping der Arbeitgeber im Land Bremen entsteht, summiert sich bei den Sozialversicherungen jährlich auf 336 Millionen Euro sowie 208 Millionen Euro bei der Einkommensteuer.

Die mangelnde Tarifbindung schmälert zudem die Kaufkraft der Beschäftigten: Wer in Bremen nicht nach Tarif bezahlt wird, hat im Jahr– betrachtet über alle Branchen und Berufe hinweg - durchschnittlich netto 2.849 Euro weniger auf dem Lohnzettel als tarifgebundene Beschäftigte. Insgesamt hätten die Beschäftigten in Bremen mit flächendeckender Tarifbindung rund 470 Millionen Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie.

„Heute profitieren im Land Bremen 64 % der Beschäftigten von einem Tarifvertrag – damit sind wir zwar bundesweit auf Platz 1 der Tarifbindung aber der Trend ist auch in Bremen negativ,“ sagt Ernesto Harder, DGB-Vorsitzender in Bremen. Insbesondere wegen der Entwicklung der Beschäftigten, die in Betrieben mit Flächentarifvertrag arbeiten, gibt es auch im Land Bremen eine leichte Abwärtsbewegung der Tarifbindung. „Diese Entwicklung,“ so Harder weiter, „schadet den Arbeitnehmenden. Mit Tarifverträgen gibt es nicht nur höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und mehr Urlaub. Die Beschäftigten gestalten auch ihre Arbeitsbedingungen aktiv mit.“

„Wir machen uns für eine Trendwende stark: wir wollen mehr Tarifschutz für die Beschäftigten. Mit unserer Kampagne werden wir die Arbeitgeber*innen an ihre soziale Verantwortung erinnern. Wir richten uns aber auch an die Politik, die mehr tun muss, um die Tarifbindung hierzulande wieder zu stärken. Das Land Bremen ist dafür schon einen wichtigen Schritt gegangen und hat das Tariftreue- und Vergabegesetz reformiert. Jetzt muss die Aufmerksamkeit auf dessen Einhaltung und Kontrolle gerichtet werden. Denn eine hohe Tarifbindung ist auch für das wirtschaftliche Wachstum wichtig. Sie stärkt die Binnennachfrage und sichert gute Arbeit.“, betonte Harder.

Der DGB fordert, dass öffentliche Aufträge und Fördergelder generell nur an Unternehmen vergeben werden, die Tarifverträge anwenden. Auch für die Privatwirtschaft sind bessere Gesetze notwendig, um die Tarifbindung zu stärken: Im Falle einer Aufspaltung oder Abspaltung eines Unternehmens sollten Tarifverträge bis zu einer neuen Regelung fortgelten. Zudem muss es leichter werden, Tarifverträge für alle Unternehmen einer Branche allgemeinverbindlich zu erklären.

Die DGB-Berechnungen basieren auf der jüngsten Verdiensterhebung (VE), die das Statistische Bundesamt zuletzt für das Jahr 2022 erhoben hat.

 
Tarifbindung

DGB

Weiterführende Informationen:


Forderungen zur Stärkung der Tarifbindung auf einen Blick: www.dgb.de/tarifbindung

Kontakt:


Miriam Bömer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des DGB Bremen

0170 786 30 98

miriam.boemer@dgb.de

Fragen zur Datenberechnung: Deutscher Gewerkschaftsbund, Bundesvorstandsverwaltung


Robby Riedel

Fon: +49 (0)30-2 40 60-302

robby.riedel@dgb.de


Nach oben

RSS-Feed

Subscribe to RSS feed
Unsere aktuellen Pressemitteilungen