Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 5 - 12.03.2019

Tarifverhandlungen für das Bremer Gastgewerbe am 18. März

Gehaltssteigerungen im Gastgewerbe nach Einführung von allgemeinverbindlichem Tarifvertrag

Nach der im Juli 2018 eingeführten Allgemeinverbindlichkeit des Entgelttarifvertrags (AVE) für das Hotel- und Gaststättengewerbe gab es  im Land Bremen in den unteren Lohngruppen einen Anstieg von durchschnittlich fast 100,- € im Monat zu verzeichnen.  Das entspricht einem Zuwachs von 5,5 Prozent. Durch die Allgemeinverbindlichkeitserklärung ist der zwischen dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vereinbarte Tarifvertrag für alle Beschäftigten des Gastgewerbes im Land Bremen anzuwenden. Das ist wichtig für Bremen als Tourismusstandort, um für qualifizierte Fachkräfte attraktiv zu sein.

Mit der Einführung der AVE konnten in Bremen bestimmte Standards in der Branche angehoben werden. Die AVE war einerseits notwendig geworden, da kaum eine andere Branche ein so niedriges Gehaltsniveau aufweist. Andererseits leistet die AVE aber auch einen wichtigen Beitrag zur Angleichung von Wettbewerbsbedingungen in der Branche. So haben tarifgebundene Arbeitgeber nicht länger einen Lohnkostennachteil gegenüber ihren Konkurrenten.

Um den im Bremer Gastgewerbe tätigen Fachkräften eine Zukunft in der Branche zu ermöglichen, ist weiteres Handeln notwendig. Aktuell stehen die nächsten Tarifverhandlungen an, in deren Rahmen auch ein weiterer Antrag auf die Fortsetzung der Allgemeinverbindlichkeit gestellt werden soll.

Iris Münkel von der Gewerkschaft NGG ist optimistisch, dass dies geschehen wird: „Um dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern bedarf es weiterer Veränderungen im Gastgewerbe. So hat es in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt, jedes Jahr eine Entgelterhöhung von 3% gegeben. Wir erwarten von den Arbeitgebern auch in diesen Verhandlungen ein klares positives Zeichen für die Beschäftigten.“ Auch einen Folgeantrag zur AVE stellt Münkel nicht in Frage. „Als Vorreiter in Bremen würde sich das Gastgewerbe unglaubwürdig machen, den Fachkräftemangel zu bedauern und dann wieder zwei Schritte zurück zu gehen. Wir gehen motiviert in die Verhandlungen und werden weitergehende Verbesserungen diskutieren.“

Diese Verbesserungen hält auch die Arbeitnehmerkammer für dringend erforderlich. So haben vor Einführung der Allgemeinverbindlichkeit fast drei Viertel aller Beschäftigten im Gastgewerbe nur zu einem Niedriglohn gearbeitet. Laut  Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer „Koordinaten der Arbeit“ haben 2017 etwa 30 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nur den damals geltenden Mindestlohn von 8,50 Euro oder sogar weniger verdient. Sie alle haben von der Allgemeinverbindlichkeitserklärung des Tarifvertrags profitiert. Besonders große Gehaltssprünge waren zwischen 2017 und 2018 bei den Frauen zu beobachten, die angelernte Tätigkeiten ausführen. Hier stieg der Durchschnittsverdienst von Vollzeitbeschäftigten sogar um 200 Euro an. Hierdurch entspricht ihr Verdienst nun dem ihrer männlichen Kollegen. Diese Entwicklung zeigt, dass Tarifverträge auch zu mehr Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern beitragen.

Allgemeinverbindliche Tarifverträge sind ein wichtiges Instrument, um der fortschreitenden Tarifflucht zu begegnen. Gerade im Land Bremen kehren immer mehr Unternehmen dem Tarifvertrag den Rücken. Während 2008 noch knapp 40 Prozent der Betriebe einen Tarifvertrag anwendeten, waren es 2017 nur noch 20 Prozent.

Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer: „Mit der Allgemeinverbindlichkeit nimmt  das Gastgewerbe im Land Bremen eine Vorbildfunktion ein. Sie ist ein wichtiger Schritt, um dem Trend der abnehmenden Tarifbindung und dem damit verbundenen Anstieg prekärer Arbeitsverhältnisse zu begegnen.“

Arbeitnehmerkammer und Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) setzen sich im Zuge der zunehmenden Tarifflucht für eine Erleichterung bei der Einführung einer Allgemeinverbindlichkeit ein.

DGB-Vorsitzende Annette Düring: „Gerade in den kleinteiligen Branchen, wie dem Gastgewerbe, dem Einzelhandel, dem Sicherheitsgewerbe oder der Pflege profitieren die Beschäftigten, die Arbeitgeber und damit auch die Öffentlichkeit von allgemeinverbindlichen Tarifverträgen. Der gemeinsame Weg, den Gewerkschaft NGG und DEHOGA in Bremen gegangen sind, ist vorbildlich und setzt Zeichen für eine ganze Branche“.

Entsprechend begrüßen die Gewerkschaften und die Arbeitnehmerkammer daher den Beschluss der Bremischen Bürgerschaft, eine Bundesratsinitiative auf den Weg zu bringen, welche die Einführung von allgemeinverbindlichen Tarifverträgen zukünftig erleichtern soll.

 

Hintergrundinformation:

Im Gastgewerbe im Land Bremen waren am 30.6. 2018 knapp 21.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tätig. 10.060 von ihnen sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, weitere 10.826 arbeiten als Minijobber und Minijobberinnen. Von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten 2.098 im Beherbergungsgewerbe, also in Hotels und Pensionen und 7.962 in der Gastronomie und damit in Restaurants, Cafés, Imbissen und ähnlichem. 54 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe sind Frauen.


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