Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 25 - 02.10.2019

Teure Tarifflucht

Bremen entgehen 327 Millionen Euro pro Jahr

Teure Tarifflucht: Bremen entgehen 327 Millionen Euro pro Jahr
DGB-Berechnungen zeigen Kosten der Tarifflucht für die Allgemeinheit

Aufgrund von Tarifflucht und Lohndumping im Land Bremen entgehen den Sozialversicherungen jährlich 201 Millionen Euro und dem Fiskus 126 Millionen Euro an Einkommen-steuer. Das sind insgesamt 327 Millionen Euro pro Jahr für das Land Bremen! Die mangelnde Tarifbindung wirkt sich darüber hinaus unmittelbar auf die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung aus: Mit flächendeckender Tarifbindung hätten die Beschäftigten in Bremen rund 280 Millionen Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie. Die Zahlen stammen aus einer Berechnung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der die letzte Verdienststrukturerhebung (VSE) nach Beschäftigten mit und ohne Tarifbindung des Statistischen Bundesamts zugrunde liegt.

„Mit geringeren Einkommen haben nicht nur die Beschäftigten weniger Netto in der Tasche, sie bedeuten auch weniger Geld für die Sozialversicherungen und weniger Steuereinnahmen“, sagte Annette Düring, DGB-Vorsitzende in Bremen. „Was der Gemeinschaft durch die anhaltende Tarifflucht der Unternehmen entgeht, sind keine Peanuts. Das Geld wird gebraucht für den sozialen Ausgleich, für Investitionen in Infrastruktur und in Bildung. Eine hohe Tarifbindung stärkt außerdem die Binnennachfrage, stabilisiert die Wirtschaft vor Ort und sichert gute Arbeit“, so Düring weiter.

Trotzdem grassiere die Tarifflucht der Unternehmen ungebremst. Für immer weniger Beschäftigte und Betriebe gilt in Deutschland ein Tarifvertrag. Im Jahr 2018 waren nur noch 56 Prozent der Beschäftigten im Westen und 45 Prozent im Osten tarifgebunden. Auch in Bremen nimmt die Tarifbindung weiter ab – von 67 Prozent in 2008 auf 55 Prozent in 2018. Annette Düring: „Die Unternehmen müssen sich angesichts dessen die unbequeme Frage nach ihrer sozialen Verantwortung gefallen lassen“.

 

Der DGB fordert seit langem, dass öffentliche Aufträge und Fördergelder nur noch an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden. „Der Staat darf nicht mit Steuergeldern Lohndumping unterstützen. Der Staat muss die Vergabe seiner öffentlichen Aufträge endlich an gute Bezahlung, an Bezahlung nach Tarif knüpfen“, betonte Düring. Aber auch in einer Reform der Allgemeinverbindlicherklärung (AVE) von Tarifverträgen und besseren Regelungen zu Nachbindung und Nachwirkung von Tarifverträgen liege ein Hebel, um die Tarifbindung zu stärken. „Wir begrüßen ausdrücklich, dass Bremen an einer Bundesratsinitiative arbeitet. Der Gesetzgeber muss seine Versprechen endlich einlösen und es erleichtern, Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären.“, sagte Düring.

Der DGB unterstützt die Initiative von Bürgermeister Andreas Bovenschulte, der sich für mehr Tarifbindung ausspricht. Das stärkt das Land Bremen und die Sozialversicherungen. Eine höhere Tarifbindung ist außerdem der zentrale Baustein für Gute Arbeit in Bremen und Bremerhaven

Weiterführende Informationen:

·         Forderungen zur Stärkung der Tarifbindung auf einen Blick: https://www.dgb.de/-/Z9E

·         Weitere Informationen zum DGB-Zukunftsdialog: https://www.dgb.de/zukunftsdialog

Kontakt:

DGB Region Bremen-Elbe-Weser
Annette Düring
Fon: +49 (0)421-3357610
Mobil: +49 (0)170-6342206
annette.duering@dgb.de

Fragen zur Datenberechnung: Deutscher Gewerkschaftsbund, Bundesvorstandsverwaltung

Dr. Robby Riedel
Fon: +49 (0)30-2 40 60-302
robby.riedel@dgb.de

 


Nach oben

RSS-Feed

Subscribe to RSS feed
Unsere aktuellen Pressemitteilungen