Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 28 - 29.11.2019
DGB stellt Ausbildungsreport 2019 vor

Ausbildungsreport Niedersachsen-Bremen 2019

Auszubildende besser auf Arbeit 4.0 vorbereiten!

Viele Auszubildende sehen sich durch ihre Berufsausbildung nur unzureichend auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet. Das belegen Zahlen des neuen Ausbildungsreports der DGB-Jugend für Niedersachsen und Bremen. Zwar geben rund 80 Prozent der Befragten an, dass Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung wichtig oder sehr wichtig sind. Doch nur knapp die Hälfte sieht sich gezielt darauf vorbereitet, digitale Technologien zu nutzen. Mit der Dauer der Ausbildung sinken diese Werte sogar noch. Auszubildende in kleineren Betrieben fühlen sich generell schlechter vorbereitet als in Großunternehmen. Die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule beurteilt nur ein Drittel der Auszubildenden als sehr gut oder gut. Hannes Scherf, Jugendbildungsreferent beim DGB Bremen: „Arbeitswelt 4.0 braucht Ausbildung 4.0. Berufsschulen und Betriebe haben noch einiges nachzuholen. Zum einen müssen die Ausbildungsinhalte in allen Berufen modernisiert werden. Zum anderen müssen die beruflichen Schulen schnellstens besser ausgerüstet werden mit digitaler Ausstattung, ausreichend Lehr- und technischem Fachpersonal und einer gute Breitbandanbindung.“

Laut Ausbildungsreport gibt es generell nach wie vor große Probleme bei der Qualität der Ausbildung. Über ein Drittel aller Befragten muss regelmäßig Überstunden machen. Fast jeder zehnte Jugendliche unter 18 Jahren muss mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten, obwohl dies verboten ist. Mehr als jeder Sechste gab an, Berufsschulunterricht im Betrieb nacharbeiten zu müssen. Hannes Scherf betonte: „Das ist eine große Belastung für die Betroffenen. Die Betriebe müssen sich an geltende Gesetze halten. Ausbildung ist ein Lernverhältnis. Auszubildende dürfen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.“

Besonders gravierend sind die Mängel seit Jahren bei den FachverkäuferInnen im Lebensmittelhandwerk, etwa in Fleischereien und Bäckereien. Fast die Hälfte der Befragten bekommt dort keinerlei Ausgleich für geleistete Überstunden, obwohl sie im Schnitt fast sieben Stunden mehr pro Woche arbeiten. Fast die Hälfte der Auszubildenden hat Probleme, sich nach der Arbeit zu erholen. Johanna Waldeck, Gewerkschaftssekretärin Nahrung-Genuss-Gaststätten: „Psychische Belastungen sind auch für Auszubildende ein großes Thema. Die Qualität der Ausbildung leidet enorm unter Zeitdruck, mangelnder Anleitung und permanenter Erreichbarkeit auch in der Freizeit“

Annette Düring, DGB-Vorsitzender in Bremen, erklärte bei der Vorstellung des Reports in Bremen: „Der Ausbildungsmarkt fällt zunehmend in parallele Welten. Auf der einen Seite Jugendliche mit schlechten Chancen, auf der anderen unbesetzte Ausbildungsplätze. Arbeitgeber müssen sich stärker um Ausbildung kümmern. Sonst wird es ihnen schwer fallen, Nachwuchskräfte zu finden.“ Sie forderte, dass sowohl mehr in Ausbildungsplätze als auch in die Ausbildungsfähigkeit der junge Menschen investiert wird: „In Bremen haben 20 Prozent der jungen Erwachsenen keine abgeschlossene Berufsausbildung. Dagegen ist bislang viel zu wenig unternommen worden. Es braucht dringend mehr Ausbildungsplätze. Ebenso wichtig sind aber unterstützende Angebote für Jugendliche in besonderen Lebenslagen oder mit Problemen am Ausbildungsmarkt.“

An der repräsentativen Befragung der DGB-Jugend haben sich knapp 2.400 junge Menschen in Niedersachsen und Bremen aus den 21 am häufigsten gewählten Ausbildungsberufen beteiligt. Es wurden Auszubildende aus allen Ausbildungsjahren und Betrieben unterschiedlichster Größe befragt. Der DGB hat den Ausbildungsreport in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) erstellt. Da der Arbeits- und Ausbildungsmarkt beider Länder stark miteinander verschränkt ist und es zudem große Pendlerbewegungen gibt, wurde ein gemeinsamer Report erstellt.


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