Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 23 - 23.11.2020

Ausbildungsreport Niedersachsen-Bremen 2020

Junge Leute brauchen günstigen Wohnraum und bezahlbares Azubi-Ticket

Über die Hälfte der Auszubildenden kann nicht selbstständig von ihrer Ausbildungsvergütung leben. Sie erhalten finanzielle Unterstützung durch Verwandte oder sind auf Nebenjobs angewiesen. Das zeigt der diesjährige Ausbildungsreport der DGB Jugend für Niedersachsen und Bremen. In 2020 legt er seinen Schwerpunkt auf das Thema Mobilität und Wohnen. Dass die Wohnsituation für die Auszubildenden eine belastende Situation ist, ist ein weiterer Befund des Ausbildungsreports, zumal die jungen Menschen in Ausbildung im Durchschnitt immer älter werden. Zu einem selbstbestimmten Leben und gesellschaftlicher Teilhabe gehört aber auch eine Wohnsituation, die den eigenen Vorstellungen entspricht. Für einen Großteil der Auszubildenden ist das aber nicht der Fall. So wohnen nur knapp 25 Prozent in einer eigenen Wohnung, während es sich 67 Prozent wünschen. Ein Großteil von ihnen wohnt noch bei den Eltern oder anderen Verwandten.

Caro Fuchs, Jugendbildungsreferentin beim DGB Bremen-Elbe-Weser: „Wie wichtig es ist, dass junge Menschen von ihrer Ausbildungsvergütung leben können, hat sich in 2020 gezeigt. Wer mit seiner Wohnsituation unzufrieden ist, zu Hause nicht die Ruhe für Home Schooling findet und beengt lebt, hat es unnötig schwer. Wir brauchen eine fachlich und finanziell attraktive Berufsausbildung und günstigen Wohnraum. Nur durch finanzielle Unabhängigkeit ist ein selbstständiges Leben möglich. Deshalb fordern wir bezahlbare und attraktive Wohnheime, die flächendeckend als öffentlich geförderte Azubi-Apartments eingerichtet werden. Einzelzimmer mit eigenem Bad und Küche, jedoch auch gemeinschaftlich nutzbare Flächen, sind eine Grundvoraussetzung.“

Von den jungen Arbeitnehmer*innen wird oft ein hohes Maß an Flexibilität gefordert. Die Realität zeigt aber, dass diese das gar nicht leisten können: 37 Prozent der Auszubildenden können den Betrieb mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut oder gar nicht erreichen. Auch die Berufsschulen sind oft schlecht erreichbar. Studien zeigen, dass weite Pendelstrecken sehr belastend für Beschäftigte sind – so ist es natürlich auch für Auszubildende. Gerade bei weiten Pendelstrecken über eine Stunde haben sie Probleme, sich von der Arbeit zu erholen.

Der DGB fordert die Landesregierung daher auf, den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen und ein echtes, bezahlbares Azubiticket für Bremen und Niedersachsen einzuführen. Dies würde nicht nur die duale Ausbildung attraktiver machen, sondern auch die Mobilität der Auszubildenden fördern und die Umwelt schonen.

Insgesamt sind dennoch 71 Prozent mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Der Ausbildungsreport liefert Erklärungsansätze, warum die restlichen 29 Prozent nicht zufrieden sind. Zum Beispiel unterscheidet sich die Zufriedenheit nach dem Ausbildungsberuf. Am zufriedensten sind die Verwaltungsfachangestellten, Elektroniker*innen für Betriebstechnik und Industriekaufleute. Am wenigsten zufrieden sind Hotelfachleute, Köch*innen und Verkäufer*innen – Berufe, die besonders von der Coronakrise betroffen sind. Es ist davon auszugehen, dass die Arbeitsbedingungen in der Krise nicht besser geworden sind.

Ein Drittel der Auszubildenden macht regelmäßig Überstunden, obwohl das gegen das Berufsbildungsgesetz verstößt. Jede*r Zehnte muss außerdem ausbildungsfremde Tätigkeiten ausführen. Bezüglich der Anleitung durch den*die Ausbilder*in gibt es in einigen Berufen Mängel. So geben 15 Prozent an, dass sie selten oder nie zufriedenstellend betreut werden. „Die Ausbildung ist ein Lernverhältnis. Auszubildende dürfen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Sie brauchen eine gute Anleitung, damit sie gut ausgebildet werden können.“ betont Caro Fuchs.

Annette Düring, Regionsgeschäftsführerin des DGB Bremen-Elbe-Weser erklärt: „Die Ausbildung muss von Betrieben mehr in den Fokus gestellt werden. Wer Fachkräfte fordert, muss Fachkräfte ausbilden – und zwar vernünftig. Ich kann den Betrieben nur raten, jetzt nicht bei der Ausbildung zu sparen. Nach der letzten Krise ist der duale Ausbildungsmarkt stark geschrumpft, ohne wieder zu wachsen. Das darf nicht noch einmal passieren. Fachkräfte werden gebraucht und junge Menschen brauchen berufliche Perspektiven. Alle müssen sich an Ausbildung beteiligen, deswegen fordern wir einen Ausbildungsfonds, damit wieder mehr Betriebe ausbilden!“

An der repräsentativen Befragung der DGB-Jugend haben sich knapp 2600 junge Menschen in Niedersachsen und Bremen aus den 21 häufigsten Ausbildungsberufen beteiligt. Es wurden Auszubildende aus allen Jahren und Betriebsgrößen befragt. Der DGB hat den Ausbildungsreport in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) erstellt. Da der Arbeits- und Ausbildungsmarkt beider Länder, unter anderem durch Pendler*innenbewegungen, stark miteinander verschränkt ist, wurde ein gemeinsamer Report erstellt.

Den gesamten Ausbildungsreport finden Sie ab 10.30 Uhr unter www.bremen.dgb.de

Aufgrund der Corona-Situation kann das Pressegespräch nicht wie gewohnt stattfinden. Dennoch stehen wir Ihnen am 24.11.20 in der Zeit von 10-12.00 Uhr telefonisch für O-Töne zur Verfügung. Film- oder Fotoaufnahmen können nach Terminabsprache vor Ort gemacht werden.

Für Anfragen werden zur Verfügung stehen:

Annette Düring, Regionsgeschäftsführerin DGB Region Bremen-Elbe-Weser:

Annette.Duering@dgb.de, 0421-33 576 10

Caro Fuchs, Bildungsreferentin DGB-Jugend Bremen-Elbe-Weser:

Caro.Fuchs@dgb.de, 0421 – 33 576 21

Für Terminabstimmung im Vorfeld melden Sie sich bitte bei Ines Gallein (ines.gallein@dgb.de 0421 -33 576 11).


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