Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 7 - 16.03.2020

Equal Pay Day – Stärkung der Tarifbindung für mehr Lohngerechtigkeit!

Am 17. März ist Equal Pay Day. Dieser Tag steht für die weiterhin klaffende Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Diese beträgt in Deutschland nach wie vor 21 Prozent. Die Bundesrepublik liegt damit im europäischen Vergleich weiterhin auf den hinteren Plätzen. Nur in Estland ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern noch größer. Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen für ihre Arbeitgeber kostenlos arbeiten, während Männer im Vergleich bereits seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Eine Lohnlücke von 21 Prozent ergibt umgerechnet 77 Tage und damit den 17. März, bis zu dem Frauen Lohn entgeht.

Anlässlich des Equal Pay Days fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund Region Bremen-Elbe-Weser eine Aufwertung weiblich geprägter Berufe, eine deutliche Stärkung der Tarifbindung und eine größere Gehaltstransparenz.

Das gilt auch dann, wenn Frauen keine Berufe in weiblich geprägten Branchen ergreifen. Auch bei gleichen Berufen und gleichen Berufserfahrungen erhalten Frauen niedrigere Gehälter. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung von über 57.000 Datensätzen des Portals Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird.

Besonders groß ist die Lücke mit 18 Prozent im Beruf Filial- oder Verkaufsstellenleiter/in. Hier verdienen Männer mit 10 Jahren Berufserfahrung durchschnittlich 3.220 Euro brutto im Monat, Frauen hingegen nur 2.640 Euro (jeweils für eine 38-Stundenwoche, ohne Sonderzahlungen). Dabei ist gerade der Einzelhandel eine Branche, in der besonders viele Frauen tätig sind. Ihnen werden so eigenständige finanzielle Existenzen vorenthalten.

Annette Düring, Vorsitzende des DGB Bremen, zu dieser Entwicklung: „Gute Löhne sind häufig Männerlöhne. Das müssen wir ändern. Um gleiches Gehalt für Frauen und Männer durchzusetzen, sind Tarifverträge ein zentrales Gleichstellungsinstrument. Bei Tarifverträgen ist die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern deutlich geringer und die Transparenz der Löhne höher. Sie bieten zudem die Möglichkeit, Arbeitsbedingungen für Frauen besser zu gestalten. Die Initiativen des Senats zur Stärkung der Tarifbindung sollten daher zeitnah in die Umsetzung kommen.“

Gerade bei der Tarifbindung gibt es im Land Bremen weiterhin viel zu tun. Aktuell profitieren nur 48 Prozent der weiblichen Beschäftigten von einem Tarifvertrag. Öffentliche Aufträge sollten daher nur an Unternehmen vergeben werden, die tarifgebunden sind. Auch das Instrument der Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen sollte erleichtert und stärker zum Einsatz gebracht werden, um die Lohnlücke zu schließen.

Dringend erforderlich, so Annette Düring, ist eine Aufwertung der Pflege- und Sorgearbeitsberufe. Wie in der aktuellen gesundheitspolitischen Situation erneut verdeutlich wird, haben diese vor allem von Frauen geprägten Berufe eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Allerdings wurde versäumt, für gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung zu sorgen und somit Fachkräfte zu sichern. Das rächt sich jetzt.

Pressekontakte:
Annette Düring, 0170 634 2206
Dennis Zagermann, 0170 786 3098


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