Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 26-2020 - 23.12.2020

Ungleichheit in der Coronakrise

Die Krise trifft uns alle – aber manche trifft sie besonders hart

Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise sind immens. Doch sie treffen keineswegs alle gleich. Neue Studienergebnisse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) und der Universität Osnabrück zeigen, wie ungleich Menschen in Deutschland von der Corona-Krise betroffen sind. Das Ergebnis: Corona trifft diejenigen mit niedrigem Einkommen besonders hart. Sie verlieren überdurchschnittlich oft.

Beschäftigte mit schon vorher niedrigem Einkommen sind fast doppelt so häufig von Einbußen betroffen wie Menschen mit hohem Einkommen. Außerdem sind ihre Verluste relativ am höchsten. Wer wenig hatte, hat also auch noch besonders viel verloren. Damit verschärft sich das Auseinanderdriften von Arm und Reich: Die 20 Prozent der ärmsten Haushalte sind weitestgehend abgekoppelt von den durchschnittlich steigenden Einkommen der letzten Jahre. Annette Düring, Regionsgeschäftsführerin des DGB Bremen-Elbe-Weser warnt: „Gerade für das Land Bremen sind diese Zahlen alarmierend. Mit einer Armutsquote von knapp 25 Prozent liegen wir weit über dem Bundesdurchschnitt. Durch Corona wird sich die Situation noch weiter verschärfen!“

Vor allem betroffen durch Einkommens- oder Jobverluste waren prekär Beschäftigte wie Leiharbeiter*innen oder Minijobber*innen, sowie Alleinerziehende oder Menschen mit Migrationshintergrund. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in tarifgebundenen Betrieben mit Mitbestimmung haben dagegen weitaus weniger unter der Krise gelitten. Ein Großteil der Beschäftigten in diesen Betrieben erhielt eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch den Arbeitgeber. Außerdem war dort häufiger mobiles Arbeiten möglich.

„Auch Kurzarbeit ist für Beschäftigte mit geringen Einkommen nur ein schwacher Trost. Zwar ist die Beschäftigung gesichert, die Einbußen sind aber empfindlich, wenn der Lohn ohnehin kaum reicht. Die Arbeitgeber sollten ihrer sozialen Verpflichtung nachkommen und das Kurzarbeitergeld aufstocken. Am besten geeignet dafür sind tarifvertragliche Lösungen. Die Krise zeigt erneut, dass Tarifbindung und Mitbestimmung Garanten von guter Arbeit und einer krisensicheren Wirtschaft sind!“, so Düring.

Der DGB Bremen-Elbe-Weser fordert daher eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf mindestens 80%, insbesondere für Beschäftigte mit niedrigen Einkommen. Eine stärkere Tarifbindung durch gesetzliche Tariftreueklauseln bei der Vergabe öffentlicher Aufträge sichert gute Arbeit und stabilisiert die Wirtschaft. Das Hartz IV-Regelniveau muss angehoben werden, sodass ein Abrutschen unter das Armutsniveau verhindert wird.

Die zentrale Frage des nächsten Jahres wird sein, wer für die Corona-Krise zahlt. Für den DGB ist klar, dass das nicht die Beschäftigten sein dürfen. Sie leiden ohnehin schon stark unter der Krise. Stattdessen müssen Erbschaften und Kapitalerträge stärker besteuert werden, damit die Schere zwischen Arm und Reich durch Corona nicht noch weiter auseinandergeht.


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