Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 9 - 09.04.2020

PM Aufstockung des Kurzarbeitergelds: Kammern und Unternehmensverbände in der Verantwortung!

Die gebotenen Maßnahmen zur Abflachung der Covid19-Infektionskurve sorgen weiterhin für erhebliche Veränderungen im Alltags- und Erwerbsleben der Bremerinnen und Bremer. Viele Beschäftigte sind derzeit von Kurzarbeit betroffen. Weitere Fälle werden folgen: Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung geht davon aus, dass in diesem Jahr bis zum 4 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit gehen könnten. Das sind etwa 10 Prozent der Beschäftigten deutschlandweit. Das Kurzarbeitergeld stellt daher einen zentralen Beitrag zur Beschäftigungssicherung dar. Es muss jedoch dringend aufgestockt werden, um soziale Schieflagen zu verhindern.

Den Handels- und Handwerkkammern, sowie den Unternehmensverbänden im Land Bremen kommen als Selbstverwaltungsorganisationen der gewerblichen und handwerklichen Wirtschaft im Land Bremen aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes hier eine besondere Verantwortung zu. Zwar gibt es bereits Branchen und Betriebe, in denen Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld ihrer Beschäftigten aufstocken. Die DGB-Gewerkschaften stellen jedoch fest, dass es noch immer zu viele Unternehmen gibt, die staatliche Hilfen in Anspruch nehmen, ihre Beschäftigten jedoch ohne Aufstockung des Kurzarbeitergeldes nach Hause schicken. Besonders ungerecht ist, dass den Arbeitgebern bei Kurzarbeit sowohl die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmeranteile der Sozialversicherungsbeiträge erstattet werden, die Arbeitnehmer, die diese Beiträge paritätisch bezahlen, jedoch leer ausgehen. Die Kammern und Unternehmensverbände sollten daher auf ihre Mitglieder einwirken, um hohe Einkommensausfälle der Beschäftigten durch eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes zu verhindern. Die DGB-Gewerkschaften sind deshalb in dieser Woche auf die Kammern zugegangen, um über konkrete Betriebe zu sprechen, bei denen eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes bisher vom Arbeitgeber blockiert wird.

Dazu Annette Düring, Vorsitzende des DGB Bremen: „Für unsere Kolleginnen und Kollegen bedeutet Kurzarbeit, dass sie bis zu 40 Prozent ihres Nettoeinkommens einbüßen. Gerade in Branchen, in denen die Löhne durch die anhaltende Tarifflucht niedrig sind, bringt dies Beschäftigte in existenzielle Nöte. Miete, Lebensmittel und laufende Rechnungen müssen weiter bezahlt werden. Dem Land Bremen, das bereits jetzt von hoher sozialer Ungleichheit betroffen ist, droht eine zusätzliche soziale Schieflage. Uns bereitet diese Situation große Sorge. Die Kammern und Unternehmensverbände sollten daher auf die Unternehmen in ihrem Verantwortungsbereich einwirken, eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes um die erstatteten Arbeitnehmeranteile der Sozialversicherungen auf mindestens 80 Prozent vorzunehmen!“

Grundsätzlich wäre es auch möglich, das Kurzarbeitergeld durch den Bund mit Mitteln der Arbeitsagentur auf mindestens 80 Prozent zu erhöhen. Aus der Sicht der Gewerkschaften wäre auch dies ein zielführendes Mittel, um soziale Schieflagen zu vermeiden. Die DGB-Gewerkschaften in Bremen sehen hier jedoch zunächst die Arbeitgeber in der Pflicht, eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes um die Arbeitnehmeranteile der erstatteten Sozialversicherungsbeiträge auf mindestens 80 Prozent vorzunehmen.

 

Pressekontakte:
Annette Düring, DGB-Vorsitzende Bremen: 0170 634 2206
Dennis Zagermann, Gewerkschaftssekretär: 0170 7863 098


Nach oben

RSS-Feed

Subscribe to RSS feed
Unsere aktuellen Pressemitteilungen