Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 5 - 05.03.2021

Weltfrauentag – Gewerkschaften warnen vor einem Rollback der Geschlechterrollen

Die Corona-Krise trifft Frauen besonders hart. Sie verschärft die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern. Vor allem Frauen arbeiten in unterbezahlten Berufen und laufen damit Gefahr, durch zu geringes Kurzarbeitergeld unter die Armutsgrenze zu rutschen. Viele arbeiten außerdem in systemrelevanten Berufen und werden gerade jetzt dringend benötigt. Doch auch im Haushalt ist die Arbeit noch nicht gleich verteilt. Frauen übernehmen immer noch einen Großteil der Haushalts- und Familienarbeit. Diese Doppelbelastung als Mutter und Berufstätige treibt viele an die Grenze des Leistbaren.

„Wir setzen uns seit Jahren dafür ein, dass Frauen gleichberechtigt Seite an Seite mit ihren Kolleg*innen im Betrieb arbeiten können. Die Krise birgt die Gefahr, dass wir in alte Rollenbilder zurückfallen und Frauen wieder im häuslichen Bereich verschwinden.“ betont Annette Düring, Vorsitzende des DGB Bremen.

Um den Augenmerk auf dieses Thema zu lenken, organisierte der DGB mit dem kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt die Online-Veranstaltung „Die Frauenbewegung ist doch was von gestern? – Heute ist alles möglich!“ am 05.03.21. Dort informierte Prof. Dr. Bettina Kohlrausch (Wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts) über die ungleichen Auswirkungen der Coronakrise auf Frauen und Männer. In einer anschließenden Diskussion mit Elke Heyduck (Arbeitnehmerkammer), Katja Pilz (Betriebsrätin bei Gestra), Bettina Wilhelm (Landesbeauftragte für Frauen) und Andrea Buchelt (Landesfrauenrat) formulieren die Kolleginnen Herausforderungen, die sie als Frau im Erwerbsleben zu meistern haben.

Viele nannten als zentralen Bereich die Kinderbetreuung. Gerade während der Krise wurde deutlich, welche Mängel es in diesem Bereich noch gibt. Das vorherrschende Bild der Mutter als Hauptverantwortliche für die Familie hindert Frauen an der vollen Partizipation im Erwerbsleben. Die schlechte Betreuungssituation verschärft die Situation noch. Andere Themen waren schon vor der Krise relevant und werden durch sie beschleunigt: Die Digitalisierung ist dabei eine zentrale Herausforderung für Frauen im Erwerbsleben. Eine sozial gerechte, digitale Transformation muss von Mitbestimmung im Betrieb begleitet werden. Da gerade viele Berufe wegfallen werden, in denen Frauen arbeiten, muss diesen Frauen früh genug eine Weiterbildungsmöglichkeit gegeben werden.

Vom Land Bremen fordern die Frauen daher, sich für ein Recht auf Weiterbildung einzusetzen, dass es Frauen ermöglicht, sich fit für die Zukunft zu machen. Weiterbildung muss möglich sein, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist und der Job in Gefahr ist. Kinderbetreuung muss ausgebaut werden und sinnvolle Lösungen während der Krise gefunden werden. Auch das Ehegattensplitting verfestigt Rollenbilder und setzt Anreize für Frauen, sich nicht voll am Erwerbsleben zu beteiligen. Diese falschen Anreize müssen endlich der Vergangenheit angehören.

Gemeinsam setzen sich die Gewerkschaften dafür ein, wofür sie mit ihrer Arbeit schon den Grundstein gelegt haben: Ein selbstbestimmtes Leben in wirtschaftlicher Unabhängigkeit auch für Frauen.


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