Deutscher Gewerkschaftsbund

19.03.2020

Equal Pay Day: Die Lohnlücke muss endlich geschlossen werden! (HB)

Am 17. März war Equal Pay Day. Dieser Tag markiert symbolisch den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen rechnerisch im Vergleich zu Männern kostenlos arbeiten. Denn Fakt ist: Bei den Löhnen klafft zwischen Frauen und Männern weiterhin eine riesige Lücke. Weit vorne dabei ist auch das Land Bremen. Hier beträgt der Gender Pay Gap bei Fachkräften in Vollzeit fast 20 Prozent (siehe Grafik). Das sind knapp 20 Prozent zu viel! Im Ranking der Bundesländer nimmt Bremen damit einen unrühmlichen Platz im oberen Mittelfeld ein. Den weiblichen Fachkräften in Vollzeit entgehen so im Jahr etwa 7.800 Euro. In einem vierzigjährigen Berufsleben sind das über 300.000 Euro, die Frauen auf dem Konto haben. Das ist ungerecht!

Der große Verdienstrückstand ist zum Teil strukturell bedingt. Frauen leisten noch immer die Hauptlast der (unbezahlten) Sorgearbeit, so dass ihre Erwerbsbiographien häufiger Brüche aufweisen. Auch nach Trennungen sind Frauen oft schlechter gestellt: Alleinerziehende sind häufig Frauen. Sie stehen nicht selten vor existenziellen Problemen. Häufig finden sie sich in der Teilzeitfalle wieder oder landen in prekären Minijobs. Hinzu kommt, dass in Berufen mit hohem Frauenanteil fast durchweg schlechter bezahlt wird, als in Branchen die männlich geprägt sind. Aber selbst bei identischer Berufswahl und –erfahrung erhalten Frauen für die gleiche Arbeit oft weniger Geld. Gute Löhne sind in der Regel Männerlöhne. In Bereichen wie dem Einzelhandel, den Krankenpflege und dem Bankgewerbe schlägt eine Differenz von einem Zehntel und mehr zu Buche. Das ist nichts weniger als blanke Diskriminierung aufgrund des Geschlechts!

Niedrige Löhne verringern aber nicht nur die Teilhabechancen von Frauen im Hier und Jetzt. Die Absicherung im Alter ist das Spiegelbild des Arbeitslebens. Bei schlechter Bezahlung im Erwerbsleben fällt die Rente schlechter aus. Eine Neurentnerin im Land Bremen erhielt 2018 so im Schnitt 728 Euro, während ihr männliches Pendant 1.066 Euro Rente erhielt. Das sind über 30 Prozent weniger. Altersarmut ist daher, wie auch Erwerbsarmut, überwiegend weiblich geprägt. Ob die Grundrente die Lücke schließen kann, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Lohnlücke im Erwerbsleben, die der zentrale Grund für die Rentenlücke ist, löst die Grundrente nicht auf.

Equal pay every day ist eine zentrale Frage der Gerechtigkeit. Wer Gleichstellung ernst meint, muss daher eine Entgeltgleichheit für Frauen und Männer herstellen. Das Gesetz zur Brückenteilzeit und das Entgelttransparenzgesetz gehen in die richtige Richtung, müssen aber verbindlicher gestaltet werden und nicht erst ab einer bestimmten Betriebsgröße gelten. Das beste Mittel gegen den Gender Pay Gap ist jedoch eine höhere Tarifbindung. Tarifverträge unterscheiden bei der Bezahlung nicht nach Frauen und Männern. Sie sind effektive Mittel gegen die ungerechte Lohnlücke. Dort, wo Tarifverträge gelten, sinkt der Gender Pay Gap deutlich. Die Initiative des Bremer Senats zur Stärkung der Tarifbindung sorgt also nicht nur für bessere Arbeitsbedingungen. Sie ist zudem ein effektives Mittel zur Erreichung der Gleichstellungsziele des Landes Bremen. Daher müssen zeitnah konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Tarifbindung folgen.

 

Quelle: Equal Pay Studie 2020, Onlineportal GEHALT.de, S. 15, eigene Darstellung

Quelle: Equal Pay Studie 2020, Onlineportal GEHALT.de, S. 15, eigene Darstellung


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