Deutscher Gewerkschaftsbund

13.08.2020
#schlaglicht 08/2020

Gesundheitsberufe: der Ausbau des Arbeits- und Gesundheitsschutzes ist dringend nötig!

Die Corona-Pandemie zeichnet sich weiter deutlich in Wirtschaft und Gesellschaft ab. Viele Beschäftigte verbleiben weiterhin in Kurzarbeit oder sind auf der Suche nach einer neuen Stelle, weil ihnen gekündigt wurde. Zahlreiche Branchen erholen sich nur langsam vom Corona-Schock, der ab Mitte März das öffentliche und wirtschaftliche Leben auf ein Minimum reduzierte. Gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage, welche Lehren wir aus der Corona-Pandemie ziehen müssen.

Dies zeigt sich auch in der aktuellen Lage: Während die Infektionszahlen durch die Abstands- und Hygieneregeln lange auf niedrigem Niveau verblieben, steigen sie nun gerade zu Beginn des neuen Schuljahres erneut an. Nicht nur das Robert-Koch-Institut zeigt sich darüber sehr besorgt. Auch für die Gewerkschaften ist klar: Ein erneuter, starker Anstieg der Infektionszahlen muss verhindert werden.

Eine große Rolle hierbei spielt der Arbeits- und Gesundheitsschutz. Dieser ist sowohl in Bremen wie auch bundesweit über viele Jahre hinweg deutlich vernachlässigt worden. Ein effektiver Infektionsschutz musste in vielen Betrieben erst durch die Gewerkschaften eingefordert und erkämpft werden. Ganz besonders zeigt sich dies in den Gesundheitsberufen. Wie die Grafik zeigt, waren Beschäftige in Gesundheitsberufen überdurchschnittlich häufig von Krankschreibungen und Aufenthalten in Krankenhäusern im Zusammenhang mit Covid-19 betroffen.

Während bei allen Berufsgruppen im Schnitt etwa 474 Beschäftigte pro 100.000 AOK-Mitglieder von Arbeitsunfähigkeit betroffen waren, verzeichneten Berufe in der Alten-, Gesundheits- und Krankenpflege fast dreimal so viele Arbeitsunfähigkeiten pro 100.000 AOK-Mitglieder.

Für die Beschäftigten in der Gesundheitsbranche ist dies bitter: Zwar wurden sie im Frühjahr für ihre Tätigkeiten beklatscht. Doch eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die auch Infektionen bei den Kolleg*innen verhindert hätte, ist weiterhin

nicht in Sicht. Statt dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten

durch ihre Arbeit nicht krank werden, fokussiert sich sie Diskussion derzeit auf eine nett gemeinte Einmalzahlung für Beschäftigte im Gesundheitswesen.

Dabei ist seit langen bekannt, woran es im Pflegebereich fehlt: Zum einen ist gerade in dieser Branche aus Gründen der Profitorientierung in den letzten Jahren erheblich am Personal gespart worden. Immer weniger Pfleger*innen sind für immer mehr Patient*innen zuständig. Bereits vor der Covid-19-Pandemie war dies mit erhöhtem Stress und deutlichen Überstunden verbunden. In der Pandemie sorgen zu niedrige Personalschlüssel und lange Arbeitszeiten zugleich für ein höheres Infektionsrisiko bei den Kolleg*innen. Pfleger*innen sind effektiv einem erhöhten Risiko für eine Covid-19-Erkrankung ausgesetzt. .

Zum anderen werden die Beschäftigen in der Pflege seit vielen Jahren deutlich unter ihrer Leistung bezahlt. Wer bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal in der Pflege und somit einen besseren Infektionsschutz haben will, muss die Kolleg*innen besser entlohnen.

Gesundheit ist keine Ware – Keine Profite auf Kosten Beschäftigter im Krankenhaus und in der Altenpflege!

Beschäftigte mit Arbeitsunfähigkeit

Balkendiagramm - Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK, eigene Darstellung


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