Deutscher Gewerkschaftsbund

16.01.2020

Altersarmut: Niedrige Renten und hohe Mieten treffen Ältere doppelt! (HB)

Das Thema Altersarmut ist weiterhin in aller Munde. Auch wenn mit der kommenden Grundrente ein erster Schritt in die richtige Richtung unternommen wurde, kann dies nur der Anfang neuer, rentenpolitischer Impulse zur Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung sein. Schließlich sind bereits heute viele Rentnerinnen und Rentner in Bremen und Bremerhaven von Altersarmut betroffen.

Viele Rentnerinnen und Rentner stehen dabei finanziell von zwei Seiten unter Druck: Zum einen erhalten sie, bedingt durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse und eine Absenkung des Rentenniveaus, zunehmend geringere Renten. Zum anderen steigen die Mietpreise in Bremen und Bremerhaven und nehmen immer größere Anteile ihres Nettohaushaltseinkommens in Anspruch. Der Median1 alleinstehender Seniorinnen und Senioren muss so bereits über 40 Prozent des Haushaltseinkommens für die Wohnkosten (Warmmiete inkl. Strom) aufbringen (siehe Grafik).

Hier zeigt sich, dass die Absenkung des Rentenniveaus zugunsten niedrigerer Beiträge eine erhebliche Fehlentscheidung war. In Bremen erhielten Männer, die 2018 Rentner wurden, durchschnittlich 1.066 Euro Rente. Neue Rentnerinnen erhielten im Durchschnitt sogar nur 728 Euro. Alleinstehende Rentnerinnen werden durch die Mietenentwicklung zusätzlich stark belastet. Die Kombination aus steigenden Mieten und sinkenden Renten verschärft dadurch die Altersarmut – insbesondere für alleinstehende Frauen!

Betroffene haben kaum Handlungsmöglichkeiten: Entweder sie zahlen einen erheblichen Teil ihrer Rente für die Miete (siehe Grafik). Oder sie ziehen um und verlassen ihre vertraute Umgebung. Günstige Wohnungen sind jedoch auch in weniger zentralen Wohnlagen nur noch schwer zu finden. Oft entstehen hierdurch auch zusätzliche Kosten durch verlängerte Anfahrtswege. Gerade für Ältere ist dies ein erhebliches Problem, da sie im Alter weniger mobil sind. Vor einem solchen Schritt schrecken viele Betroffene zurück und versuchen daher so lange wie möglich in ihrer Wohnung zu bleiben

Bremen und Bremerhaven fehlen etwa 54.000 Wohnungen, um einen weiteren Preisanstieg zu verhindern. Die vom neuen Senat im Koalitionsvertrag geplanten 10.000 neuen Wohnungen sind daher ein guter Einstieg. Auch die Erhöhung der Sozialquote auf 30 Prozent ist zu begrüßen. Doch um der Mietenexplosion Einhalt zu gebieten, sind zusätzliche mietenpolitische Maßnahmen nötig. Auch die Einkommensentwicklung muss in der Mietendiskussion eine Rolle spielen. Denn wer eine niedrige Rente bezieht oder prekär beschäftigt ist, muss höhere Teile des Einkommens für die Miete bezahlen und nur wenig Optionen, wenn die Miete erhöht wird.

Um die Lage am Wohnungsmarkt für Rentnerinnen und Rentner zu entschärfen, muss daher an drei Punkten angesetzt werden: Im Bund muss die Reduzierung des Rentenniveaus zurückgenommen und die gesetzliche Rente gestärkt werden. Außerdem muss prekären Arbeitsverhältnissen ein Riegel vorgeschoben und gute Löhne für alle Beschäftigten geschaffen werden. Darüber hinaus muss der Senat in zusätzlichen, bezahlbaren Wohnraum investieren!

 

1 Der Median ist ein statistischer Mittelwert, der besonders robust gegenüber statistischen Ausreisern ist.

 

 


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