Deutscher Gewerkschaftsbund

19.07.2021
#schlaglicht 7/2021

Was den Kitas in Bremen fehlt

Frühkindliche Bildung legt den Grundstein für den späteren Bildungserfolg. Eine gute Qualität von Kitas sichert Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhaben von allen Kindern. Gerade in der Pandemie ist deutlich geworden, was für einen zentralen Baustein die Kinderbetreuung in der Gesellschaft einnimmt – und gleichzeitig auch, was für Mängel dort herrschen.

In Bremen herrscht deutlicher Nachbesserungsbedarf. Im Koalitionsvertrag einigten sich die Regierungsparteien darauf, bis Ende der Legislatur 60 Prozent Versorgungsquote für unter 3jährige Kinder zu erreichen. Doch momentan ist gerade die Hälfte der Kinder in Betreuung. In Bremerhaven sind es sogar nur 21 Prozent. Um diesen Rückschritt noch aufzuholen, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen und einem Umdenken in der frühkindlichen Bildung. Denn es fehlen gerade in diesem Bereich massiv Fachkräfte, obwohl es stetige Beschäftigungszuwächse gibt. Diese reichen aber nicht aus, um die steigenden Anforderungen an den Beruf von Seiten Eltern und Politik zu erfüllen. Schon jetzt arbeiten die Fachkräfte in den Einrichtungen unter Hochdruck.

Das Land Bremen baut bereits viele neue Kindertagesstätten und schafft somit eine Grundlage für mehr Kitaplatze. Doch ohne Personal bringen diese wenig. Für den DGB in Bremen ist klar: Der Schlüssel zu mehr Personal sind bessere Arbeitsbedingungen in den Kitas. Denn es kann noch soviel ausgebildet werden, wenn die Arbeitsbelastung so hoch bleibt, werden viele Fachkräfte den Beruf verlassen. Momentan gehen rund 25 Prozent der ausgebildeten Fachkräfte in den ersten fünf Jahren aus dem Beruf. Der Schlüssel von 1:20 in Bremen ist nicht ausreichend, zumal Zusatzaufgaben wie besondere Förderbedarfe nicht gleich mehr Personal bedeuten.

Um mehr Personal für die Kitas zu gewinnen, wurden zuletzt Maßnahmen erdacht, die zu einer Verkürzung der Ausbildung führen würden. Das kann nicht im Sinne unserer Gesellschaft sein. Die Betreuung von Kindern benötigt gut ausgebildete Fachkräfte. Sie alle müssen die fundierte Ausbildung durchlaufen, die zu einer kompetenten Betreuung von Kindern notwendig ist. An der Qualität der Kinderbetreuung darf nicht gespart werden.

Zusätzlich muss die der Beruf Erzieher*in attraktiver gemacht werden. Dafür müssen alle Erzieher*innen die Entgeltstufe S8b aufgenommen werden. Das Aufstiegs-BAföG in Höhe von 892 Euro, das elternunabhängig für die Erzieher*innenausbildung gewährt wird, muss besser beworben und bekannter gemacht werden. Dafür benötigt Bremen eine zentrale Beratungsstelle für die individuelle Beratung von interessierten Fachkräften, die auch die Vorteile des Erzieher*innenberufs und seine Vielfalt bewirbt. Denn die Wege in diesen Beruf sind vielfältig und die Finanzierungsmöglichkeiten noch nicht bekannt genug.


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