Deutscher Gewerkschaftsbund

18.12.2020
#schlaglicht 12/2020

Berufsausbildung:

Durch Corona drohen Langzeitschäden!

Jungen Menschen bringt die Suche nach einer Ausbildung viel Frust. Einen Ausbildungsplatz zu finden war in Bremen ohnehin schwierig. Die Lage hat sich im letzten Jahr noch weiter verschlechtert. So sind in diesem Jahr die bei der Arbeitsagentur in Bremen gemeldeten Ausbildungsplätze um 11,3% zurückgegangen. Gleichzeitig ist die Anzahl der Bewerber*innen sogar leicht angestiegen.

Die Zahlen der Kammern zeigen, dass in fast jeder Branche weniger Ausbildungsplätze angeboten wurden. Besonders empfindlich für den Ausbildungsmarkt sind dabei Rückgänge bei der Handwerks- und Handelskammer, da dort absolut die größten Verluste zu verzeichnen sind. Bei der Handelskammer ist das größte Minus (fast 40 Prozent) im Gaststättengewerbe zu vermelden. Auch die Rückgänge im Gesundheitssektor sind bezeichnend, da in diesen Bereichen zurzeit händeringend nach Fachkräften gesucht wird. Dabei können Unternehmen sich jetzt ihre eigenen Fachkräfte für einen Neustart nach der Krise ausbilden. Das kann in Zukunft zu einem nachhaltigen Aufschwung beitragen. Verpassen Unternehmen diese Chance, werden sie das in ein paar Jahren zu spüren bekommen. Wer nach Fachkräften schreit, muss Fachkräfte ausbilden!

Die Situation ist gerade für junge Menschen langfristig existenzgefährdend. Rund 20% von Ihnen suchen weiterhin einen passenden Ausbildungsplatz - fast eine Verdopplung zu 2019. Auch der Anteil derjenigen, der nicht einmal einen Platz im Übergangssystem gefunden hat, ist stark angestiegen, wie Zahlen der Agentur für Arbeit zeigen. Ohne einen berufsqualifizierenden Abschluss wird es in Zukunft immer schwerer, einen Arbeitsplatz zu finden. Die aktuelle Generation der Schulabgänger*innen findet sich völlig unverschuldet in einer untragbaren Situation wieder. Es besteht die Gefahr, eine ganze Generation zu verlieren.

In Bremen wird schon lange versucht, sich dem Problem anzunehmen. Bisher zeigen die Zahlen leider kaum eine Verbesserung. Ein neuer Versuch startet mit der Initiative „Ausbildung: innovativ“ mit Beteiligung des DGB. Dort sollen Maßnahmen erarbeitet werden, die die Situation für die jungen Menschen verbessern. Eine davon ist die Schaffung von Ausbildungsverbünden, die zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten. Außerdem wird die Bremer Qualifizierung attraktiver gemacht werden. Diese ermöglicht Jugendlichen, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz gefunden haben, den Einstieg in eine schulische Ausbildung. Dafür sollen sie jetzt auch eine Vergütung erhalten. Das ist allemal besser, als sie durch die zahllosen Warteschleifen im Übergangsbereich zu schleusen. Außerdem wird das Programm „Ausbildung – Bleib dran“ gestärkt. Es berät Jugendliche bei Konflikten und Schwierigkeiten in der Ausbildung.

Der DGB fordert zur Finanzierung dieser Maßnahmen und zur Schaffung weiterer Ausbildungsplätze den Zukunftsfonds Ausbildung. Das ist ein finanzieller Ausgleich zwischen ausbildenden und nichtausbildenden Betrieben. Denn es ist unfair, dass nur ein kleiner Teil der Betriebe ausbildet, aber alle von den ausgebildeten Fachkräften profitieren.


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