Deutscher Gewerkschaftsbund

20.02.2020

Die Gewalt gegen Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes steigt! (HB)

Blickt man in die Kriminalitätsstatistik, sieht man vor allem positive Entwicklungen. Seit geraumer Zeit nimmt die Kriminalität ab. Langsam aber stetig reduziert sich die Kriminalität – sowohl deutschlandweit als auch im Land Bremen. Wir leben derzeit in der sichersten Bundesrepublik seit langem. Trotzdem nimmt die Verrohung der Gesellschaft zu. Die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes und des privatisierten Sektors bekommen dies regelmäßig zu spüren.

Die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes und des privatisierten Sektors leisten täglich wichtige Aufgaben für unser Gemeinwesen: Sie sind Polizistinnen und Polizisten, arbeiten bei der Stadtreinigung, in der Krankenpflege, bei der Bahn, bei der Feuerwehr, beim Zoll, als Lehrerinnen und Lehrer oder als Erzieherinnen und Erzieher. So unterschiedlich ihre Tätigkeiten sind: Was sie eint ist, dass sich viele Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes und des privatisierten Sektors nicht sicher fühlen.

Bei vielen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst und im privatisierten Sektor macht sich ein Unsicherheitsgefühl im Arbeitsalltag breit, das sich im Zuge eines spürbar raueren Miteinanders im öffentlichen Raum entwickelt hat. Beschäftigte sind immer häufiger der Frustration und Aggression von Bürgerinnen und Bürgern ausgesetzt. Nicht selten werden sie im Dienst nicht ausreichen geschützt. Wie die Grafik zeigt, sind die Häufigkeitszahlen bei Gewalttaten gegenüber Polizeivollzugsbeamten in Bremen zwar zurückgegangen. Polizeivollzugsbeamte sind in Bremen jedoch weiterhin überdurchschnittlich häufig Gewalttaten ausgesetzt.

Aber auch andere Beschäftigte im Öffentlichen Dienst und des privatisierten Sektors berichten von einer Zunahme der Gewalt gegen die Beschäftigten, eine systematische Dokumentation findet hier bisher jedoch kaum statt. Diese Entwicklung muss mit großer Sorge betrachtet werden.

Die Gründe für die Zunahme der Gewalt sind vielfältig. Natürlich spielt eine generelle Verrohung der Gesellschaft hier eine wichtige Rolle. Ebenso zentral sind die schlechten Arbeitsbedingungen im Öffentlichen Dienst. Personalmangel und Überarbeitungen, schlechte Ausstattungen, unzureichende Schulungen und mangelnde Gefahreneinschätzungen durch Führungskräfte und Arbeitgeber sorgen für einen nicht ausreichenden Schutz der Beschäftigten.

Dass sich der Staat seit den 80er Jahren zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Notwendige Investitionen sind ausgeblieben, Personal wurde eingespart. Auch die Zunahme prekärer Beschäftigungsformen sorgt für zunehmenden Frust.

Wir sind alle gefragt, um Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst Vergangenheit werden zu lassen. Die Arbeitgeber, Dienstherren und politischen Entscheidungsträger stehen hier jedoch besonders in der Verantwortung. Sie müssen die Arbeitsbedingungen verbessern, das Personal erhöhen und effektive Gefahreneinschätzungen für ihre Beschäftigten durchführen, um ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen. Sie sollten nie vergessen: Hier arbeitet ein Mensch!

Statistik Gewalt ggü. Polizisten

Quelle: Bundeslagebild 2018, Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und Polizeivollzugsbeamte. Häufigkeitszahlen sind die Zahlen der bekannt geworde-nen Fälle, errechnet auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Bundesanlagebild


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