Deutscher Gewerkschaftsbund

19.11.2020
#schlaglicht 11/2020

Beschäftigung an Hochschulen:

Gute Arbeitsbedingungen für Forschende schaffen!

Der diesjährige DGB Hochschulreport zeigt: Es gibt Nachbesserungsbedarf. 11.000 Beschäftigte nahmen bundesweit an der Befragung teil, darunter sowohl Wissenschaftler*innen, als auch Personal aus Technik und Verwaltung. Im Vergleich zu allen Beschäftigten mit (Fach-)Hochschulabschluss und allen Beschäftigten im öffentlichen Dienst bewerten die Angestellten an Hochschulen ihre Arbeitsbedingungen deutlich schlechter.

Ein Grund dafür dürften unsichere Perspektiven und prekäre Beschäftigungsverhältnisse sein: Befristete Beschäftigung ist an Hochschulen viel weiter verbreitet als in anderen Berufen. Im Land Bremen waren 2018 67 Prozent der Wissenschaftler*innen und 26 Prozent der Nicht-Wissenschaftler*innen befristet beschäftigt. Zum Vergleich: Im Land Bremen arbeiteten 12 Prozent aller Beschäftigten in einem befristeten Job. Zusätzlich arbeitete fast die Hälfte aller Beschäftigten an Hochschulen in Bremen in Teilzeit.

Noch prekärer ist die Situationen für Beschäftigte im wissenschaftlichen Mittelbau, also für Promovierende und Post-Docs (Beschäftigte mit Doktortitel). Sie hatten eine noch höhere Befristunqsquote und arbeiteten noch häufiger in Teilzeit.

Die Ergebnisse für das gesamte Bundesgebiet zeigen, dass die Anstellung in Teilzeit für die meisten Angestellten keine Entscheidung war. Ihnen wurde erst gar keine Vollzeitstelle angeboten. Die Konsequenz sind Überstunden und entgrenzte Arbeitsverhältnisse: Je weniger Stunden Wissenschaftler*innen haben, umso mehr Überstunden werden abgeleistet, wie der Report zeigt. Für Beschäftigte im Mittelbau sind prekäre Beschäftigungsverhältnisse an der Tagesordnung. Die Aussicht auf eine unbefristete Stelle in der Wissenschaft wird ihnen wie eine Karotte vor die Nase gehalten. Jedoch endet für viele Beschäftigte die wissenschaftliche Karriere, oft ungewollt, vorher. Nur ein kleiner Teil erreicht eine Professur und damit die Chance auf eine unbefristete Anstellung. Ein Verbleiben in der Wissenschaft ist dann nur schwer und vor allem über drittmittelfinanzierte Projekte mit Dauerbefristungen möglich. Dabei steigt der Bedarf an Beschäftigten in der Hochschule mit den seit Jahren steigenden Studierendenzahlen.

In Bremen wurden bereits erste Schritte hin zu einer fairen Beschäftigung unternommen. So hat der DGB an einem Rahmenkodex zur Verbesserung der Vertragssituation an Bremischen Hochschulen mitgearbeitet. Dieser hat unter anderem zum Ziel, dass projektbezogene Stellen der Laufzeit des Projektes entsprechen, mindestens jedoch drei Jahre betragen. Daueraufgaben, vor allem in Technik und Verwaltung, sollen auch von dauerhaft angestellten Beschäftigten, möglichst in Vollzeit, ausgeführt werden. Dieser Rahmenkodex wurde an vielen Hochschulen schon teilweise umgesetzt und soll in Zukunft neu aufgelegt und konkretisiert werden. Die Zahlen in der Graphik zeigen auch, dass noch Verbesserungsbedarf besteht.

Um Spitzenforscher*innen in bremischen Hochschulen halten zu können, müssen sie sichere Perspektiven haben. Davon profitiert am Ende das gesamte Bundesland, denn gute Forschung kann zu besseren Lebensbedingungen für alle beitragen.


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