Deutscher Gewerkschaftsbund

22.10.2020
#schlaglicht 10/2020

Home Office: Klare Regeln gegen entgrenztes Arbeiten!

Der Arbeitsalltag vieler Beschäftigter hat sich durch die Coronakrise stark verändert. Die erneut ansteigenden Infektionszahlen zeigen, dass wir bereits mitten in der zweiten Welle angekommen sind. Mit Beginn der Coronazeit wurde das Arbeiten von zuhause für mehr Beschäftigte möglich als gedacht. Home Office ist für viele eine Möglichkeit, ihrer Tätigkeit weiterhin nachzugehen, ohne sich einer erhöhten Gefahr durch eine Infektion auszusetzen.

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass vor der Coronakrise 18 Prozent der Beschäftigten zumindest gelegentlich im Home Office arbeiten konnten. Seit dem Lockdown im März ist dieser Anteil auf 34 Prozent angestiegen. Auch die im Home Office gearbeiteten Stunden sind in der Krise stark gestiegen. Der Anteil derjenigen, die gar nicht von zuhause arbeiten, ist von knapp 54 Prozent auf 18 Prozent zurückgegangen (siehe Graphik). Nicht zuletzt durch diese Maßnahmen wurden die Fallzahlen im Sommer in den Griff bekommen.

Home Office kann – mit klaren Regeln - eine Entlastung für die Beschäftigten sein. Nach einer Analyse des Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) sind Beschäftigte im Durchschnitt zufriedener, wenn die Arbeit im Home Office vertraglich geregelt ist. Im Idealfall trägt Home Office zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei, verkürzt Pendelzeiten und bietet die Möglichkeit zum konzentrierten Arbeiten am heimischen Schreibtisch. Jedoch besteht die Gefahr, dass Präsenzarbeitsplätze wegrationalisiert werden, Beschäftigte unfreiwillig von zuhause arbeiten müssen oder Nachteile beim Aufstieg im Unternehmen in Kauf nehmen müssen. Außerdem erhöht sich das Risiko, dass Regeln des Arbeitsschutzes sowie Arbeitszeitregelungen nicht eingehalten werden. Ein Verschwimmen von Arbeits- und Freizeit muss verhindert werden!

Dabei gibt es eine klare Unterscheidung zwischen Telearbeit und mobilem Arbeiten, wobei letzteres eher im Trend zu liegen scheint. Telearbeit ist das Arbeiten an einem durch den Arbeitgeber nach den Regeln des Arbeitsschutzes eingerichteten Heimarbeitsplatz, während mobiles Arbeiten lediglich ermöglicht, dienstliche Aufgaben unabhängig von Ort und Zeit zu erledigen.

Auch dort braucht es jedoch eindeutige Regeln, die Arbeitszeiten exakt festlegen. Der Arbeitgeber muss Arbeitsmittel wie Laptop, Diensthandy oder externe Monitore stellen. Zudem darf mobiles Arbeiten nicht zu einem Karriereknick für die Beschäftigten führen. Der DGB fordert daher einen Rechtsanspruch auf Home Office. Der aktuelle Gesetzesentwurf ist jedoch unzureichend. Home Office ist längst Realität in vielen Betrieben. Durch einen gesetzlichen Anspruch würde für viele Beschäftigte ein Standard gesichert, der gerade bei steigenden Fallzahlen zum Schutz der Gesundheit beiträgt. Die betriebliche Mitbestimmung ist ein wichtiger Schlüssel zum Finden von Lösungen im Sinne der Beschäftigten. Doch vorher muss das Recht auf Home Office gesetzlich verankert werden!


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