Deutscher Gewerkschaftsbund

18.06.2020

Droht ein Corona-Jahrgang? Berufliche Ausbildung stabilisieren und stärken!

Gemeldete Ausbildungsplätze 2019/2020

Agentur für Arbeit Bremen/Bremerhaven

In Bremen stehen die Sommerferien kurz bevor. Gerade für die Schüler*innen in den aktuellen Abschlussklassen steht damit ein neuer Lebensabschnitt bevor. Im Spätsommer wollen viele von ihnen eine berufliche Ausbildung anfangen. Doch durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie droht ein erheblicher Engpass auf dem Ausbildungsmarkt!

Diese Entwicklung hat einen deutlichen Vorlauf, denn das Land Bremen hat seit vielen Jahren ein Problem im beruflichen Ausbildungssystem: Die Unternehmen bieten zu wenig Ausbildungsplätze an. So blieben jedes Jahr Menschen, die eigentlich auf der Suche nach einer beruflichen Ausbildung sind, ohne Ausbildungsplatz zurück – mit erheblichen negativen Folgen für ihr zukünftiges Erwerbsleben. Noch immer ist eine Ausbildung ein guter Schutz gegen Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigungsformen.

Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009 sind die angebotenen Ausbildungsplätze eklatant zurückgegangen. Allen Bemühungen zum Trotz, hat die Anzahl der angebotenen Ausbildungsplätze im Land Bremen nie wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Absichtserklärungen haben nicht zu einer Verbesserung geführt.

Wie die Grafik zeigt, droht sich diese Situation durch die Corona-Krise nun erneut zu wiederholen – mit katastrophalen Folgen. Im Vergleich zum Vorjahr, wurden der Arbeitsagentur für den Bezirk Bremen-Bremerhaven bis Mai 2020 16,3 Prozent weniger Ausbildungsplätze gemeldet! Damit drohen ein Corona-Jahrgang und eine dauerhafte Destabilisierung des Bremischen beruflichen Ausbildungssystems. Denn das einmal abgebaute Ausbildungsplätze im Folgejahr erneut angeboten werden, ist mit Blick auf die Erfahrungen der Finanzkrise sehr unwahrscheinlich.

Die Krise im Ausbildungsmarkt ist nicht nur für die Ausbildungssuchenden eine Katastrophe. Auch für Unternehmen ist ihre Ausbildungszurückhaltung  langfristig schlecht: Vor der Corona-Krise wurde der Ruf nach ausgebildeten Fachkräften in vielen Branchen laut. Gleichzeitig stehen auch Bremische Unternehmen vor einem demographischen Wandel: Die geburtenstarken Jahrgänge werden in den nächsten Jahren in Rente gehen.

Um die Wirtschaft mit ausreichend ausgebildeten Fachkräften versorgen zu können, ist eine Ausbildungsquote von 10 Prozent nötig. Die Bremischen Unternehmen liegen seit vielen Jahren deutlich darunter. Unternehmen und Politik müssen daher dringend handeln: Absichtserklärungen, wie in den letzten Jahren, sind nicht genug um diese Krise zu bewältigen. Die derzeit im Bund beschlossenen Förderungen für den Erhalt von Ausbildungsplätzen sind in diesem Zusammenhang eine sinnvolle Maßnahme. Gleichzeitig ist klar: Sie alleine wird die berufliche Ausbildung im Land Bremen nicht sichern.

Hierfür sind zusätzliche, verbindliche Instrumente notwendig. Einerseits müssen durch einen Zukunftsfonds Ausbildungsstellen in Zukunftsbranchen finanziert werden. Zentral ist darüber hinaus die Einrichtung eines Ausbildungsfonds für das Land Bremen, durch den die Kosten einer Ausbildung solidarisch zwischen den Unternehmen geteilt werden: Unternehmen erhalten so zusätzlich einen Anreiz, ihre Fachkräfte selbst auszubilden. Zuletzt ist klar, dass die Berufsschulen dringend finanziell und personell gestärkt werden müssen!


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