Deutscher Gewerkschaftsbund

27.01.2023
#schlaglicht Bremen 1/2023

Transformation braucht Fachkräfte!

Nach aktuellen Zahlen des statistischen Landesamtes in Bremen scheint sich der Arbeitsmarkt in Bremen nach Corona wieder erholt zu haben. Die Anzahl der Erwerbstätigen ist sogar über dem Niveau von 2019 angekommen. Der Großteil des Anstieges ist bei den sozialversicherungspflichten Beschäftigten zu verzeichnen und das vor allem im Dienstleistungsbereich. Im produzierenden Gewerbe ist die Anzahl der Erwerbstätigten sogar etwas gesunken (0,6 Prozent).

Das ist eine gute Grundlage und zeigt, dass wir gut durch die Krise gekommen sind. Jetzt muss die nächste Herausforderung ebenso entschlossen angegangen werden: Der Fachkräftemangel. Tatsächlich geht es inzwischen sogar nicht mehr nur um Fachkräftemangel, sondern um Arbeitskräftemangel. Er betrifft fast jedes Qualifikationsniveau. In einer Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) gaben 56 Prozent der Interessenvertretungen an, dass sie Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen.

Im Handwerk ist die Situation bundesweit besonders angespannt. Ein Grund ist, dass nur 30 Prozent der Beschäftigten sind von einem Tarifvertrag erfasst sind. Firmen und Branchen, die tarifgebunden sind und bessere Arbeitsbedingungen bieten, haben weniger Probleme, geeignetes Personal zu finden. Das gilt natürlich nicht nur im Handwerk. Eine höhere Tarifbindung, faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen sind die beste Strategie gegen Fachkräftemangel.

Ein weiterer Schlüssel zur Lösung des Problems liegt in einer zukunftssicheren Aus- und Weiterbildung. Daher ist der Ausbildungsfonds, der in Bremen noch im Februar beschlossen werden soll, ein wichtiger Baustein. So wird gesichert, dass Fachkräfte schon in der Ausbildung zukunftssicher und gut ausgebildet werden können und sich alle Betriebe daran beteiligen. Auch Weiterbildung ist ein wichtiger Baustein, Qualifikationen sind im Wandel und müssen stetig angepasst werden. Dafür brauchen Beschäftigte ein Recht auf Weiterbildung, gute Angebote sowie Qualifzierungsgeld und eine gute Teilzeit- und Kinderbetreuungslösung für die Weiterbildung.

Gerade für Bremen ist ein weiterer Faktor entscheidend: Das Potenzial von Frauen am Arbeitsmarkt wird immer noch nicht ausreichend ausgeschöpft. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist niedrig, der Gender Pay Gap ist hoch. Um Frauen eine höhere Erwerbsbeteiligung bei fairem Lohn und guten Bedingungen anbieten zu können, wurde die Senatsstrategie Entgeltgleichheit entwickelt, in der viele gute Maßnahmen erarbeitet wurden. Es kommt jetzt darauf an, diese Strategie mit den nötigen finanziellen Mitteln auszustatten, damit das Land Bremen einen wichtigen Schritt in Richtung eines geschlechtergerechten Arbeitsmarktes gehen kann.

Der Fachkräftemangel ist eine Herausforderung, die wir nur gemeinsam mit den Sozialpartner*innen und der Politik angehen können. Für uns ist jedoch auch klar, dass Tarifbindung, Mitbestimmung und gute Arbeitsbedingungen die beste Strategie gegen Fachkräftemangel sind.


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