Deutscher Gewerkschaftsbund

25.11.2021
#schlaglicht 11/2021

Am Orange Day und das ganze Jahr: Nein zu Gewalt an Frauen!

Die aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamtes zeichnen ein trauriges Bild. Frauen werden immer wieder in Partnerschaften Opfer von Gewalt. Im Vergleich zum Vorjahr ist diese Zahl um 4,4 Prozent angestiegen. Für 132 Frauen endete diese Gewalt tödlich. Der gefährlichste Ort für Frauen ist zuhause! Jede vierte Frau wird einmal im Leben ein Opfer von häuslicher Gewalt. Das heißt: Niemand von uns kann die Augen vor diesem Thema verschließen. Jede*r kennt wahrscheinlich mindestens eine betroffene Frau oder ist sogar selber betroffen.

Das Thema muss endlich ernst genommen werden. In der Pandemie steigen die Zahlen nochmal weiter an. Frauen werden in alte Rollen zurückgedrängt, halten sich in  zu engen Wohnungen auf, verlieren ihre Unterstützungsnetzwerke und wichtige Orte außerhalb der eigenen vier Wände. Stressfaktoren wie finanzielle Sorgen, Quarantäne oder Kurzarbeit können das Gewaltpotential noch steigern.

Wichtig ist jedoch, dass all dies keine Entschuldigungsgründe für häusliche Gewalt sind. Die Gewalt geht in dem Großteil der Fälle vom einem männlichen Partner aus. Und sich zu trennen ist auch keine Lösung, denn gerade nach einer Trennung nimmt die Gewalt zu. Diese Gewalt ist das direkte Resultat von patriarchalen Strukturen und der Überzeugung, dass Frauen den Männern unterlegen sind und Männer das Recht dazu haben, den Ton anzugeben. Dieser Überzeung müssen wir uns entgegenstellen, wo immer wir ihr begegnen: Im Betrieb, im Freund*innenkreis, in der Uni, Schule und auf der Straße. Zwar sind sexistische Sprüche am Arbeitsplatz noch kein Aufruf zur häuslicher Gewalt, aber Ausdruck eines patriarchalen Systems, das Frauen in ihre Schranken weisen, ruhig stellen und abwerten soll.

Der Staat kommt hier seiner Verantwortung nicht ausreichend nach. Die Zahlen sind seit Jahren erschreckend hoch und steigen immer weiter. Die Bundes-regierung ist gemäß der Istanbul-Konvention verpflichtet, Frauen und Mädchen zu schützen. Wir brauchen dringend den Ausbau der Frauenhausversorgung und von Beratungsstellen. In Deutschland fehlen mehr als 14.000 Plätze. Es braucht einen Rechtsanspruch auf Hilfe gegen Gewalt, unabhängig vom Wohnort, Herkunft und Aufenthaltstitel. Es fehlt an bundesgesetzlichen Regelungen zur Einrichtung von Gewaltschutzambulanzen. Das haben die Parteien der Ampelkoalition versprochen und müssen jetzt tätig werden. Am 25. November setzen wir Gewerkschaften zum Orange Day in Bremen ein Zeichen: Wir machen gemeinsam mit anderen Organisationen klar, dass partnerschaftliche Gewalt verhindert und bekämpft werden muss. An diesem Tag wird der Fernmeldeturm in Walle orange angestrahlt.

Die Ansätze und Antworten, was wir gegen partnerschaftliche Gewalt tun können, gibt es also. Wir müssen sie jetzt umsetzen. Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache und keine Familientragödie. Sie muss mit allen Mitteln politisch bekämpft werden.


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