Deutscher Gewerkschaftsbund

18.02.2021
#schlaglicht 2/2021

Krise für Minijobs – Kein Modell für die Zukunft!

Fast jede sechste Beschäftigung im Land Bremen ist geringfügig entlohnt. Viele üben Minijobs zwar nur als Nebenjob aus, für manche ist er aber auch die alleinige Existenzsicherung. In der Krise wurde wieder deutlich, welche Nachteile die so hochgelobte Flexibilität der Minijobs hat. In Krisen sind sie diejenigen, die am ehesten ihren Job verlieren.

Minijobber*innen sind die großen Verlierer*innen der Krise. Ihre Jobs sind nicht gegen Arbeitslosigkeit gesichert, weder durch Arbeitslosenversicherung, noch können sie Kurzarbeitergeld erhalten. Da Minijobs gerade im Einzelhandel, der Gastronomie und der Veranstaltungsbranche verbreitet sind, haben dort viele Menschen ihre Existenzgrundlage verloren. Bemerkenswert bleibt: Diesen Jobverlust gibt es bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesen Branchen nicht oder in einem viel kleineren Ausmaß, wie aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven zeigen. Die Verluste bei den Minijobber*innen waren vor allem in den Bereichen Einzelhandel, Gastgewerbe, Kunst und Unterhaltung, Erziehung und im Tourismus zu verzeichnen. Zwar gab es dort auch bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten leichte Rückgänge, jedoch konnten viele Arbeitsplätze durch Kurzarbeit erhalten bleiben.

Minijobs bieten keine Vorteile für Beschäftigte. Oft haben Minijobber*innen nur einen befristeten oder gar keinen Arbeitsvertrag und sind nicht gut über ihre Rechte aufgeklärt. Sie wissen oft nicht, dass sie Anspruch auf bezahlten Urlaub und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall haben. Außerdem ist ein Minijob oft ein Beschäftigungsverhältnis zweiter Klasse und bietet so sehr selten den berühmten „Fuß in der Tür“ in einen gesicherten Arbeitsplatz. Sie helfen überhaupt nicht bei der beruflichen Entwicklung – viele Beschäftigte sind überqualifiziert. Das trifft insbesondere Frauen, die zwei Drittel der Minijobber*innen ausmachen. Minijobs tragen maßgeblich zur Rentenlücke zwischen Frau und Mann bei.

Für den DGB Bremen ist klar: Minijobs sind keine Perspektive für Beschäftigte. Es müssen jetzt politisch die Weichen gestellt werden, damit Beschäftigte aus dem Teufelskreis der prekären Jobs herausfinden. Ab dem ersten verdienten Euro muss in die Sozialversicherung eingezahlt werden. Die Beitragshöhe des Beschäftigten sollte schrittweise mit dem Einkommen steigen. Für Schüler*innen, Studierende und Rentner*innen müssen flexible Lösungen gefunden werden, die einen Zuverdienst ermöglichen.

Durch die Integration in reguläre Arbeit würden kleine Arbeitsverhältnisse aufgewertet, was vor allem Langzeitarbeitslose, Frauen und Geringqualifizierte stärkt. Sie wären endlich besser abgesichert, würden von guter Arbeit profitieren und hätten eine echte Chance, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Minijobs sind kein Modell der Zukunft. Sie teilen den Arbeitsmarkt in zwei Klassen. Damit muss Schluss sein – für eine Überführung von Minijobs in gute und abgesicherte Arbeitsverhältnisse!


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