Deutscher Gewerkschaftsbund

02.11.2022

Ausbildungsreport Niedersachsen-Bremen 2022

Fachkräfte sind wichtiger denn je in Zeiten der sozial-ökologischen Transformation. Beispielsweise wenn es um den Ausbau erneuerbarer Energien oder den demografischen Wandel geht. Damit dieser Wandel gelingen kann, braucht es junge, gut qualifizierte Menschen. Dabei ist gerade die duale Ausbildung weiterhin der Garant für starke Fachkräfte. Umso beunruhigender ist es, dass der diesjährige Ausbildungsreport zeigt, dass immer weniger ausgebildet wird. So kommen im Land Bremen auf 100 Bewerber*innen gerade einmal 91,6 Ausbildungsplätze. Knapp 8000 junge Menschen in Bremen befinden sich weder in Ausbildung noch im Studium, sondern in sogenannten Übergangssystemen – und dass, obwohl qualifizierter Nachwuchs händeringend gesucht wird.

Sebastian Berens, Jugendbildungsreferent DGB-Jugend Bremen: „Wir müssen jungen Menschen den Start ins Berufsleben erleichtern, ihnen so früh wie möglich Orientierungshilfe geben, sie dort abholen, wo sie stehen. Das heißt, schon an den allgemeinbildenden Schulen. Denn hier stellen sich die ersten Weichen fürs weitere Leben.“

Ganz deutlich zeigt der Report: Über 70 % der jungen Menschen in Bremen und Niedersachsen suchen ihren Ausbildungsplatz nach dem Interesse aus. An Beratung und Orientierung fehlt es aber noch an Schulen. Gleichzeitig werden Angebote der Agentur für Arbeit zu wenig genutzt. Außerdem muss die Vernetzung von Schule und Agentur für Arbeit verbessert werden, damit beispielsweise der Verbleib aller Schulabgänger*innen erfasst wird und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können.

Für Ernesto Harder, Vorsitzender des DGB in Bremen ist klar: „Um dem Fachkräftemangel langfristig entgegen zu wirken, braucht es ein Maßnahmenpaket, welches die Ausbildung für junge Menschen attraktiver gestaltet. Neben dem lückenlosen Übergang von Schule zu Beruf und einer strukturierten Berufsorientierung, braucht es vor allem einen Ausbildungsfonds.“

Dieser Fonds, in den alle Betriebe einzahlen, ermöglicht es eben die besagte Berufsorientierung zu verbessern. Dieser Fond reicht aber noch viel weiter; er ermöglicht auch insgesamt das Ausbildungsplatzangebot auszubauen, die Qualifizierung von Ausbilder*innen und die technische Ausstattung an den Berufsschulen zu verbessern. Betrachtet man die persönliche Ebene der Auszubildenden, so kann über einen Ausbildungsfond auch das Angebot von ausbildungsbegleitenden, sozialpädagogischen Maßnahmen ausgebaut werden. Die Möglichkeiten sind also vielfältig.

„Letztlich braucht es für junge, qualifizierte Fachkräfte einen Ausbildungsmarkt, der sich an ihren Bedürfnissen orientiert, sie wertschätzt und Perspektiven bietet“, so Harder.

Insgesamt wurden bei der Befragung aus Bremen und Niedersachen die Angaben von 1450 Auszubildenden erfasst. 96 Prozent kommen dabei aus 19 der 25 bundesweit meistfrequentierten Ausbildungsberufe des Jahres 2019 (laut Bundesinstitut für Berufsbildung). Außerdem wurden 58 angehenden Restaurantfachleute in der Auswertung berücksichtig. Der DGB hat den Ausbildungsreport in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) erstellt. Da der Arbeits- und Ausbildungsmarkt beider Länder, unter anderem durch Pendler*innenbewegungen, stark miteinander verschränkt ist, wurde ein gemeinsamer Report erstellt.


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