Deutscher Gewerkschaftsbund

17.06.2022
#schlaglicht 06/2022

Ganztagsbetreuung ausbauen und Gender Pay Gap verringern!

In Bremen fehlen aktuell mehr als 1.400 Kita-Plätze. Das geht aus der Berichterstattung von buten und binnen hervor. Das größte Problem ist jedoch der Personalmangel: aktuell können über 500 Plätze nicht besetzt werden, weil es an Erzieher*innen fehlt. Die neu gebauten Kita-Gebäude stehen in der Zwischenzeit leer.

Grund für den Personalmangel sind vor allem die Arbeitsbedingungen, wie die Streiks von Personal in Sozial- und Erziehungsberufen im Mai verdeutlicht haben. Der Verdienst ist nach wie vor zu gering, vor allem während der Ausbildungszeit. Viele Kolleg*innen aus den Kitas verlassen ihren Job aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen nach wenigen Jahren. Hier besteht dringender Verbesserungsbedarf!

Die Versorgung von allen Kindern mit einem Kita-Platz ist nämlich unverzichtbar für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Insbesondere die berufliche Gleichstellung von Frauen hängt davon ab. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen öffnet sich in der Regel dann, sobald Kinder kommen. Frauen gehen dann oftmals in Teilzeit oder gehen ganz aus dem Job, um die Betreuung der Kinder zu übernehmen. Die Hauptlast bei der Haus- und Sorgearbeit übernehmen noch immer die Frauen. Durch lange Teilzeitarbeit oder Unterbrechungen der Erwerbsbiografie sinken die Sozialversicherungsbeiträge und Rentenansprüche. Das Risiko für Altersarmut steigt bei Frauen dadurch erheblich.

Diese unbezahlte Mehrarbeit geht außerdem zu Lasten der beruflichen Weiterentwicklung der Frauen. Eine Rückkehr zu einer Vollzeitstelle wird dadurch erschwert. Weiterbildungsangebote können oft nicht wahrgenommen werden, sodass der berufliche Aufstieg für Frauen stagniert, während Männer in dieser Zeit Karriere machen können.

In Bremen liegt die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern auch im Jahr 2021 noch immer bei 22 Prozent – im bundesvergleich das höchste Niveau. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 18 Prozent. Eine Verbesserung ist hier kaum erkennbar: so lag die Lohnlücke im Jahr 2014 noch bei 25 Prozent.

Um die Gleichstellung von Frauen zu erreichen, ist die ganztägige Kinderbetreuung von zentraler Bedeutung. 

Wir fordern daher, die Betreuungsangebote in Kitas und Grundschulen weiter auszubauen, um berufstätige Frauen zu unterstützen. Kapazitäten müssen ausgebaut und Betreuungszeiten ganztägig angeboten werden, um auch eine Beschäftigung in Vollzeit zu ermöglichen. Außerdem muss der Beruf von Erzieher*innen in den Kitas attraktiver gemacht werden, um mehr Personal zu gewinnen und den Fachkräftemangel zu beheben!


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