Deutscher Gewerkschaftsbund

29.04.2020
DGB Countdownpapier #5

SOLIDARISCH IST MAN NICHT ALLEINE!

Solidarisch ist man nicht alleine!
Elke Hannack, stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes

Unserem Maimotto „Solidarisch ist man nicht alleine“ kommt in diesen schwierigen Zeiten ganz besondere Bedeutung zu. Die weltweite Corona-Krise hat unser Leben völlig verändert. Wir erleben eine Situation, die es so zuvor nicht gab. Umso besser, dass die Bundesregierung zügig ein umfassendes Maßnahmenpaket verabschiedet hat. Oberstes Gebot der Stunde ist, die Folgen der Corona-Krise sozial abzufedern – für Betriebe, für Beschäftigte, Selbständige und für unser Gesundheitssystem.

Für viele Beschäftigte, die während der Corona-Krise nicht arbeiten können, bedeutet das: Kurzarbeitergeld. 60 Prozent bzw. 67 Prozent des Nettogehaltes sind für viele Menschen harte Einschnitte. Zum 1. Mai fordern wir Arbeitgeber und Politik auf, das Kurzarbeitergeld auf mindestens 80 Prozent anzuheben. Da muss mehr drin sein!

Die Corona-Krise offenbart auch vieles, was eigentlich alle wissen. Die Unverzichtbaren in dieser Krise arbeiten in den besonders schlecht bezahlten Berufen. Pflege, Kassiererinnen im Supermarkt, Reinigungsdienste, und einige mehr. Und, es sind zu 75 Prozent Frauen. So wichtig und gut die Anerkennung und Wertschätzung auch ist, die systemrelevante Beschäftigte jetzt erfahren: Applaus vom Balkon oder ein Gutschein reichen nicht. Diese Anerkennung muss sich auch auf ihrem Gehaltskonto in Zahlen ausdrücken! Leistung muss sich lohnen? Das klingt hier fast zynisch. Dieser Tage hören wir, dass Krisenzeiten kein guter Zeitpunkt für eine Verteilungsdebatte ist. Wie finden, schon! Deshalb werden wir uns bestens aufstellen für die Zeit nach der Corona-Krise, um diese Debatte zu führen!

„Solidarisch ist man nicht alleine“ hat vor allem eine europäische Dimension. Spanien und Italien hat die Corona-Krise besonders heftig getroffen. Eines ist sicher: Die Corona-Krise wird in ganz Europa tiefe Spuren hinterlassen. Europa muss nun solidarisch zusammenstehen, Einigkeit und Geschlossenheit demonstrieren. Das wäre ein starkes Signal an alle, die Europa in Frage stellen. Gut, dass Europa nun Gelder mobilisieren will, um für Beschäftigte zusätzliches Kurarbeitergeld bereit zu stellen. Um die Folgen der Krise auch wirtschaftlich abfedern zu können, sind gemeinsame Antworten und Solidarität gefragt. Dazu sei Kritikern aus allen Ecken erklärt: Bei Coronabonds geht es nicht darum, öffentliche Altschulden zu vergemeinschaften. Es geht darum, ausreichend Mittel für einen großen europäischen Rettungsplan bereitzustellen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wünsche uns allen einen schönen 1. Mai – mit sicherlich vielen, neuen Online-Formaten! Kommt gut durch diese Zeit und bleibt gesund! Unseren Kolleginnen und Kollegen, die uns gut durch die Krise bringen, stehen wir solidarisch zu Seite!

Annette Düring, Vorsitzende DGB Bremen-Elbe-Weser

„Der 1. Mai ist unser Tag, auch in Zeiten der COVID19-Pandemie. Die aktuelle Lage zeigt erneut, wie zentral gewerkschaftliche Solidarität ist, damit die Beschäftigten gut durch die Krise kommen. Ein gerechtes Kurzarbeitergeld, bessere Arbeitsbedingungen, oder zentrale Zukunftsaufgaben, wie der sozial-ökologische Umbau unserer Wirtschaft: Nichts davon ist selbstverständlich. Es kommt hier auf das gemeinsame Engagement der Kolleginnen und Kollegen an. Auch wenn wir mit Anstand Abstand halten, bleibt der 1. Mai daher ein Kampf- und Feiertag für eine solidarische Gesellschaft!“


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Countdown zum 1. Mai 2020

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