Deutscher Gewerkschaftsbund

20.05.2021
#schlaglicht 5/2021

Befristungswelle stoppen - Jetzt in die Zukunft investieren

Auch wenn jetzt die Infektionslage sich langsam etwas entspannt, gibt es auf dem Arbeitsmarkt weiterhin Grund zur Sorge. Während der Krise haben die Unternehmen sehr viel weniger eingstellt als vor der Krise. Das zeigen jetzt neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. So wurden im zweiten Quartal 2020 nur rund die Hälfte der Menschen eingstellt wie noch im zweiten Quartal 2019. Im gesamten Land Bremen betrifft das vor allem die Verkehrs- und Lagerbranche, das Gastgewerbe, aber auch die Metall- und Elektroindustrie, die teilweise weit über 50% weniger Menschen einstellten als im Jahr davor.

Angeblich beschränken sich Firmen jetzt auf „das nötigste“ bei den Einstellungen. Was jedoch weitestgehend stabil bleibt, ist die befristete Einstellung. In der Graphik wird deutlich, dass der Anteil der befristeten Einstellungen an den Gesamteinstellungen im Land Bremen sogar ansteigt. Das lässt sich vor allem auf einen massiven Einbruch von unbefristeter Einstellung in Bremerhaven zurückführen: So wurden dort zwar fast gleich viele Beschäftigte befristet eingestellt, aber knapp 73% weniger Beschäftigte auf unbefristeter Basis.

Betroffen von der befristeten Einstellung sind meist die jungen Menschen mit einem beruflichen oder akademischen Abschluss. Dabei sind das genau die Fachkräfte, die zur Zukunftssicherung und Attraktivität einer Stadt und der regionalen Wirtschaft beitragen. Gerade jetzt sollten Unternehmen in die Zukunft investieren und mit einer langfristigen Personalplanung an die Herausforderungen denken, die durch Corona viel zu sehr in den Hintergrund treten: Der Strukturwandel und die sozial-ökologische Transformation. Das geht nur mit attraktiven Arbeitsplätzen, die jungen Menschen eine langfristige Perspektive bieten.

Befristete Beschäftigung birgt viele Nachteile für Beschäftigte. Ihre Zukunftschancen sind weniger sicher als bei Beschäftigten mit unbefristeten Jobs. Ihr Risiko, arbeitslos zu werden, ist stark erhöht, ihre Verdienstaussichten geringer. Oft sind sie zudem gezwungen, schlechte Arbeitsbedingungen in Kauf zu nehmen und sind deswegen mit ihrem Berufsleben sehr viel weniger zufrieden als ihre unbefristeten Kolleg*innen, wie eine Studie des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung (WZB) zeigt.

Viele Befristungen sind zusätzlich sachgrundlos, diese Zahl steigt weiter. Für den DGB ist klar, dass diese Regelung ersatzlos gestrichen werden muss. Gerade im öffentlichen Dienst muss die Praxis der Befristungen dringend reformiert werden – Befristungsgründe müssen starkt eingeschränkt werden. Haushaltsmittelpläne dürfen kein Grund mehr für befristete Beschäftigung sein! Zusätzlich müssen Kettenbefristungen deutlich begrenzt werden und Beschäftigten eine echte Perspektive gegeben werden. Die Bundesregierung muss an dieses Thema jetzt endlich ran. Die Krise darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden!


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